AK Rohstoffe Newsletter #13 – Fokus auf Stahlindustrie

Liebe Leser/innen,

Herzlich Willkommen zum 13. Newsletter des AK Rohstoffe. Wer in den letzten Tagen und Wochen die Wirtschaftsseiten der Presse verfolgt hat, dürfte das Klagen der Stahlindustrie vernommen haben. Wettbewerbsverzerrungen, zu starke Klimaschutzziele der EU, die Stahlindustrie sieht den europäischen Standort in Gefahr. Doch nicht nur die Stahlindustrie selbst jammert, denn viele Menschen beschweren sich auch über die Stahlindustrie. Vertreibungen vom Land, Luftverschmutzung, Verletzungen des Rechts auf Gesundheit, die Klagen sind vielfältig und fallen auf Grund von mangelnder Einhaltung der Sorgfaltspflichten auch auf die europäische Stahlindustrie zurück, wie Stella Wendlandt von der Christlichen Initiative Romero im Schwerpunkt erläutert.

Doch auch darüber hinaus hat sich viel getan. Der erste Trilog zum Thema Konfliktmineralien hat auf europäischer Ebene stattgefunden und noch ist kein Ergebnis absehbar. Die Rohstoffpreise – bis auf Lithium – fallen weiter, was der abbauenden Industrie große Probleme bereitet. Gleichzeitig häufen sich Berichte über Bergbau-Katastrophen und Risiken bei dem Umgang mit Reststoffen, wie den Bohrschlämmen in Deutschland. Wir haben wieder einiges an Themen sammeln können, haben zum Teil sogar auf kurze Teaser verzichtet, um das Format des Newsletter nicht völlig zu sprengen.

Wir hoffen, dass Sie / Ihr durch diesen Newsletter weitere neue Erkenntnisse erlangen könnt und wir freuen uns in Zukunft wie immer auf Hinweise zu Terminen, Publikationen oder Artikeln.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Reckordt
(Koordination AK Rohstoffe)

 

Fokus auf: Rohstoffe in der Stahlindustrie

Stahl überall

Als wichtigster Grundwerkstoff wird er bezeichnet. Stahl, eine Legierung aus Eisen, Kohlenstoff und anderen Metallen und Nichtmetallen, gilt als universell einsetzbar, egal ob als Autokarosserie, Stütze im Gebäudefundament oder Küchengerät aus Edelstahl. Unterschiedliche Legierungen machen Stahl je nach Bedarf korrosionsfest, besonders hart, hitzebeständig oder formbar. Stahl ist für die Industrie und für unseren Alltag zu einem unverzichtbaren Rohstoff geworden. Aus diesem Grund wird der Stahlindustrie eine besondere wirtschaftliche Bedeutung zugeschrieben. Als „Schlüsselindustrie“ und „Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft“ versorgt sie sämtliche Branchen und schafft Arbeitsplätze. Nach Branchenangaben sind 3,5 Millionen Beschäftigte in dem Sektor tätig, das sind zwei von drei Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe. Deutschland ist in der Stahlherstellung europäischer Spitzenreiter: 42,7 Mio. Tonnen Rohstahl wurden 2015 in der Bundesrepublik produziert und somit ein Viertel des in der EU hergestellten Stahls. Rund die Hälfte des deutschen Stahls produzieren nur drei Konzerne, ThyssenKrupp (rund 12,5 Mio. Tonnen Rohstahl), die Salzgitter AG und ArcelorMittal Deutschland (jeweils rund 7 Mio. Tonnen Rohstahl).

„Steel Made in Germany“

Hinter diesen Zahlen gerät jedoch aus dem Blickfeld, dass die notwendigen Rohstoffe zur Stahlherstellung – insbesondere Eisenerz und Kokskohle – importiert werden müssen. Eisenerz stammt größtenteils aus Brasilien, gefolgt von Schweden und Kanada; die Kokskohle stammt vor allem aus Australien, den USA, Russland und Mosambik. Auch die weiteren Metalle, die zur Stahlherstellung benötigt werden, wie Nickel, Wolfram oder Kupfer, werden in weit entfernten Stätten abgebaut. Dass der Abbau von metallischen Rohstoffen oftmals mit erheblichen Umweltzerstörungen und massiven Menschenrechtsverletzungen einhergeht, berichten die Organisationen im AK Rohstoffe regelmäßig. Die Stahlindustrie stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Im Folgenden werden zwei Länder, aus denen Deutschland seine Rohstoffe zur Stahlherstellung bezieht, genauer betrachtet.

Mosambik

Im Jahr 2014 bezog die deutsche Wirtschaft Kokskohle im Wert von 20,7 Mio. Euro (über 200.000 Tonnen) aus Mosambik für die heimische Stahlherstellung. Als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika hat Mosambik für Deutschland eine strategische Bedeutung, was sich in den steigenden Kohleimporten widerspiegelt: Waren es im Jahr 2012 noch gut 64.000 Tonnen, hat sich die Menge bis 2014 mehr als verdreifacht. Ein Großteil der Kokskohle stammt aus der Provinz Tete in Zentralmosambik. Tete hat sich in den letzten Jahren zu einem lukrativen Bergbauzentrum entwickelt. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive generiert die Bergbauindustrie zweifellos ein Einkommen für den Staat, trotzdem gehört Mosambik immer noch zu den zehn ärmsten Ländern der Welt.(1) 55 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, der größte Teil von ihnen in ländlichen Gebieten. Diese Menschen sind abhängig von der Subsistenzwirtschaft.

Ländliche Gemeinden waren einst auch die Orte, wo sich heute die Benga- und Chipangaminen befinden. In ihnen werden große Mengen von Kokskohle abgebaut und die Kapazitäten sollen stetig erweitert werden. Viele der Menschen, die vormals dort lebten, mussten ihr Zuhause verlassen. Zwischen 2009 und 2010 leitete die Regierung zusammen mit den verantwortlichen Bergbauunternehmen Zwangsumsiedlungen mehrerer tausend Menschen ein. Eins der weltweit größten Bergbauunternehmen, der brasilianische Konzern Vale, verdrängte für die Chipanga-Mine knapp 1.000 Familien. Sie wurden umgesiedelt nach Cateme, unweit der Bezirkshauptstadt Moatize. Ein kleiner Teil wurde innerhalb von Moatize umgesiedelt. Obgleich die Familien nach nationalem Recht entschädigt wurden, haben die BewohnerInnen bis heute mit den Folgen der Umsiedlung zu kämpfen: Winzige Häuser mit rissigen Wänden und ohne Fundament gebaut, fehlende Erwerbsmöglichkeiten, fernab von sauberem Wasser und fruchtbaren Böden, bedrohen bis heute die Existenz der Menschen. Delvino Xadreque wurde von Vale mit Baumaterialien für eine Scheune, Hühnern und etwas Futter entschädigt. Das Geschäft mit den Hühnern ist allerdings nicht profitabel. Mit anderen BewohnerInnen schloss er sich zusammen, um die Bahnschienen, auf denen täglich die Kohlezüge durchfahren, zu blockieren. Geändert hat das aber nichts: „Die Kohle wird nach Europa, nach Amerika verschifft. Unsere Kohle. Es gibt keinen Nutzen, keine Arbeit für uns. Wir sehen jeden Tag, wie die Kohlezüge hier durchfahren. Das tut weh. Wir wollen, dass die Unternehmen ihr Versprechen halten. Sie haben uns Arbeit versprochen. Nun sitzen hier so viele Menschen ohne eine Arbeit.“ Bis heute hat Vale das Versprechen, die Menschen fair zu entschädigen, nicht eingelöst. Als die dänische NRO Danwatch den Konzern 2015 mit diesen Fakten konfrontierte, äußerte es sich nicht zu dem Fall.

Auch der Benga-Mine, die inzwischen mit 4.560 Hektar zum größten Kohlebergwerk des Landes angewachsen ist, mussten 736 ansässige Familien weichen. Als die Mine 2011 von dem britisch-australischen Rio Tinto aufgekauft wurde, begann die Hauptphase der Umsiedlung in die abgeschiedene Gegend Mualadzi.(2) Und dies, obwohl sich das Bergbauunternehmen und die Regierung darüber bewusst waren, dass die neue Siedlung weder über eine sichere Trinkwasserversorgung, noch wirtschaftliche Beschäftigungsmöglichkeiten oder landwirtschaftlich nutzbare Böden verfügte. Die Menschen kämpfen bis heute um ihre Existenz. Emília Fato, Einwohnerin in Mualadzi, erzählt, dass sie manchmal tagelang ohne Wasser auskommen müssen. „Unser größtes Problem ist Nahrung, denn hier haben wir kein Einkommen. Wo wir vorher lebten, konnten wir uns selbst versorgen und wir waren auf keine Hilfe angewiesen.“ Ihr Sohn kann nicht mehr zur Schule gehen, es fehlt schlichtweg das Geld. Bitter fügt sie hinzu: „Das ist nun unser Leben. Wir leiden.“ Drei der vier europäischen Unternehmen, die Kokskohle aus Mosambik beziehen, nämlich ArcelorMittal, Tata Steel Europe und ThyssenKrupp, können über ihre Lieferkette direkt mit den Umsiedlungen nach Mualadzi und Cateme in Verbindung gebracht werden.

Brasilien

55 Prozent des ausländischen Eisenerzes bezieht Deutschland aus Brasilien. Doch nicht nur als Rohstofflieferant ist Brasilien bedeutsam für die Stahlhersteller, auch als Produktionsstandort wird er von deutschen Unternehmen genutzt. ThyssenKrupp betreibt gemeinsam mit dem brasilianischen Vale das ThyssenKrupp Companhia Siderúrgica do Atlântico (TKCSA) in Rio, das größte Stahlwerk Lateinamerikas. Beliefert wird es von Vale selbst. Vales größte Eisenerzmine Carajás im amazonischen Bundesstaat Pará beliefert sowohl das TKCSA-Werk als auch ThyssenKrupp in Deutschland. Auch die 50-prozentige Vale-Tochter Samarco liefert Eisenerz in großen Mengen nach Deutschland, nach Angaben des Unternehmens sollen es Produkte im Wert von „über 50 Millionen Euro“ sein. Insbesondere in Carajás wurden immer wieder Fälle von Menschenrechtsverletzungen registriert. Vale wurde 2012 als weltweit schlimmster Konzern mit dem Public Eye Award „ausgezeichnet“ aufgrund seiner weltweiten Verstrickung in Arbeitsrechtsverletzungen, Arbeitsunfälle, Sklavenarbeit, Einschränkung der Gewerkschaftsfreiheit, Einschränkung des Rechts auf Selbstbestimmung traditioneller Gemeinden, die Verletzung des Rechts auf Wohnen und Gesundheit in den Bergbauregionen und in Konflikte um Land und natürliche Ressourcen. Samarco hingegen erlangte zuletzt traurige Berühmtheit durch die bislang schlimmste Umweltkatastrophe Brasiliens, als Betreiberfirma des gebrochenen Rückhaltebeckens in Mariana, aus dem sich über 60 Millionen Kubikmeter toxischer Schlamm in den Rio Doce ergossen und dabei mindestens 17 Menschen ums Leben kamen.

Dass deutsche Stahlunternehmen von solchen Konzernen ihre Rohstoffe beziehen, ist erschreckend. Dass sie auch noch, so wie im Fall von TKCSA gemeinsam produzieren lassen, zeugt davon, dass die vollmundigen CSR-Versprechen von Nachhaltigkeit und sozialverträglicher Performance nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen.(3) Im Fall von TKCSA handelt es sich um ein Stahlwerk ohne ordentliche Betriebsgenehmigung, da das Unternehmen seit Jahren gegen nationale Umweltauflagen verstößt.(4) Die Feinstaubbelastung ist seit der Inbetriebnahme des Werks um 76 Prozent angestiegen, mit vielfachen gesundheitlichen Negativfolgen für die BewohnerInnen. Auch die durch den Bau des Werks entstandenen ökologischen Schäden haben bis heute fatale Auswirkungen, beispielsweise auf die FischerInnen in der Umgebung, die ihren Beruf wegen schwindender Fischbestände immer schwerer ausüben können. Lebensgefährliche Strömungen, verursacht durch ein von TKCSA gebautes Schleusensystem, verschärfen die Bedingungen zusätzlich.erklärt ThyssenKrupp (TK) dazu in einer schriftlichen Stellungnahme lapidar: „Das Stahlwerk ThyssenKrupp CSA […] gehört zu den emissionsärmsten Stahlwerken weltweit. Die Anlagen und ihre Emissionen werden rund um die Uhr, sieben Tage die Woche kontrolliert und Messwerte werden den Behörden täglich zur Verfügung gestellt. Die gesetzlichen Grenzwerte werden eingehalten, auch die Untersuchungen der eigenen Mitarbeiter, die den Emissionen am unmittelbarsten ausgesetzt sind, haben keine Gesundheitsschädigungen durch Emissionen ergeben. Insbesondere ist auch zu beachten, dass die Staubimmissionen in Santa Cruz nicht identisch mit den Emissionen von Thyssenkrupp CSA sind, da es in der Umgebung auch andere Emissionsquellen für Staub gibt. Zudem besteht ein enger Austausch mit der lokalen Bevölkerung, um Fragen frühzeitig aufnehmen zu können.“

Die Sorgen der Stahlindustrie

Die Beispiele aus Brasilien und Mosambik bestätigen, dass der Abbau und Nutzung von Rohstoffen für die Stahlherstellung Menschenrechte verletzen – und dass sich die betroffenen Unternehmen nicht in der Verantwortung sehen, auf eine konfliktfreie Lieferkette zu achten. Neben Eisenerz und Kokskohle sind weitere Metalle und Nichtmetalle für die Stahlindustrie relevant, wie z.B. Wolfram aus Kolumbien, Nickel von den Philippinen oder Kupfer aus Mexiko. Sie werden für die Legierung von Stählen verwendet und sind oft konfliktbehaftet. Der Blick in die CSR-Initiativen der Stahlhersteller zeigt, dass die Thematik der konfliktfreien Lieferkette bislang kaum Beachtung findet. Ihre Sorgen äußert die Stahlindustrie indes an anderer Stelle: In den jüngsten Prognosen für die deutsche und europäische Stahlindustrie liest sich nicht ohne einen gewissen bitteren Unterton von Verlusten in der Produktion, mangelnder Kapazitätsauslastung oder strengeren Auflagen aus Brüssel – die aktuelle Konjunktur macht der Stahlindustrie schwer zu schaffen. Dies wurde auch auf der diesjährigen ThyssenKrupp Hauptversammlung am 29.01.16 deutlich, wo Vorstandsvorsitzender Heinrich Hiesinger in den allgemeinen Tenor der Stahlbranche einstimmt: „Die Branche insgesamt steht vor großen Risiken. Weltweit und in Europa selbst bestehen erhebliche Überkapazitäten. Aktuell wird die Lage in Europa durch hohe Importe insbesondere aus China noch deutlich verschärft. Weitere Risiken sind die Neuregelung des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und des CO2-Handels. Werden die bisherigen Pläne der EU zur Neuordnung des Emissionsrechtehandels wie vorgesehen umgesetzt, ist Stahl aus Europa international nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Im Interview mit Die Welt vom 12.11.15 äußerte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, die Befürchtung, dass nicht weniger als die Existenz der Stahlbranche in Europa aufs Spiel gesetzt würde.

Somit ist die Stahlindustrie bestrebt, das EU-Emissionshandelssystem zu entschärfen. In einem gemeinsamen Positionspapier mit der IG Metall spricht sich die Wirtschaftsvereinigung Stahl für den Klimaschutz aus, fordert aber keine zusätzlichen Belastungen, sprich verknappte Zertifikate oder höhere Strompreise. Sonderregelungen sollen hingegen erhalten bleiben, wie die Befreiung von der EEG-Umlage bei der Eigenstromerzeugung durch Kuppelgase, die im Stahlherstellungsprozess entstehen.

Klimaschutz durch Stahl                             

Denn Stahl, betont die Stahlindustrie immer wieder, trage schon maßgeblich zum Klimaschutz bei. Gemeint sind damit natürlich nicht die CO2-Emissionen von ca. 60 Millionen Tonnen die jährlich von deutschen Stahlherstellern in die Atmosphäre geblasen werden (laut Umweltbundesamt emittierte Deutschland 2014: 902 Millionen Tonnen). Stattdessen bezieht sich die Stahlindustrie auf den letzten Schritt in der Wertschöpfungskette, nämlich das Recycling. Denn Stahl ist „zu 100 Prozent recycelbar“. Bedauerlich ist nur, dass nicht einmal die Hälfte des in Deutschland produzierten Stahls, rund 45 Prozent, aus Stahlschrott hergestellt wird. Damit liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt von 56 Prozent. Doch nicht nur das Recycling, sondern auch die Produkte aus Stahl sollen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Leichter hochfester Stahl in Autokarosserien führt durch Gewichtseinsparungen zu einem reduzierten Kraftstoffverbrauch bei Autos, Stahlkomponenten in Windkrafträdern oder Elektroautos unterstützen nachhaltigere Energiekonzepte. Stahl hat durchaus ein hohes Potenzial, zum Klimaschutz beizutragen, allerdings wird es bei weitem nicht voll ausgeschöpft.

Stahl und Konfliktmineralien

Die aktuell verhandelte Konfliktmineralienverordnung zwischen Europäischem Parlament, Europäischer Kommission und deren Mitgliedsstaaten ist für die Stahlindustrie höchst relevant, denn zwei der vier Konfliktmineralien, Wolfram und Zinn, werden für die Stahlveredelung eingesetzt. Die Position der Stahlindustrie ist eindeutig. Wie andere Industrieverbände befürwortet die Stahlindustrie den freiwilligen Ansatz der EU-Mitgliedsstaaten. Die Aspekte der „Freiwilligkeit“, „Beschränkung auf vier Metalle“, „nicht so restriktiv wie der Dodd-Frank Act“ und „Deutliche Senkung der Zahl betroffener Unternehmen im Gegensatz zum Dodd-Frank Act“ werden dabei als positiv bewertet. Negativ bewertet werden hingegen der globale Geltungsbereich der Verordnung und der Vorschlag, dass alle Produkte, die die vier Konfliktmineralien enthalten oder daraus bestehen, unter die Verordnung fallen. Zudem sollen Recycling- und Börsenmaterialien von der Verordnung ausgeschlossen werden, in Anlehnung an den Dodd-Frank Act. Sehr kritisch wird auch die Offenlegung der Lieferkette gesehen, die Wettbewerbsnachteile nach sich ziehen könnte.

Stahlunternehmen und ihre Lieferketten

Diese Position deckt sich mit einer in 2015 durchgeführten Umfrage der Christlichen Initiative Romero (CIR) unter den 14 größten deutschen Stahlherstellern, in der die Unternehmen zu ihren Lieferketten und ihren Anstrengungen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht befragt wurden. Bis auf ThyssenKrupp (TK), Deutschlands größtem Stahlproduzent, beteiligte sich keines der Unternehmen an der Umfrage. Im Supplier Code of Conduct (Verhaltenskodex für Zulieferer) spricht TK zwar die Due Diligence-Problematik an, formuliert aber die an die Zulieferer gestellten Forderungen stellenweise sehr vage. Zudem sind die Mechanismen zur Überprüfung der Einhaltung entweder nicht ausreichend oder nicht verifizierbar (wie im Fall von sog. Self Assessments oder die Bestätigung des Supplier CoC per Unterschrift von Seiten der Zulieferer). Es wird deutlich, dass sich der Konzern nicht zuständig für die Einhaltung und Überwachung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette fühlt, dafür hätten die Lieferanten Sorge zu tragen. In einem Conflict Minerals Statement verspricht TK, „angemessene Prozesse“ zu implementieren, „um zu verstehen, wo in unseren Produkten „Konfliktmineralien“ enthalten sind sowie um die Quelle und Herkunft in unserer Lieferkette zu bestimmen.“ Trotz vager Formulierungen und höchst limitierter Kontrollmechanismen stellt TK sogar eine Ausnahme unter den Stahlherstellern dar.(5) Viele Unternehmen haben sich bis jetzt noch gar nicht, zumindest öffentlich, mit diesem Problemfeld auseinandergesetzt.

Ausblick

Inwieweit die Stahlindustrie bereit sein wird, in Zukunft ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen, wird, so scheint es, überwiegend von äußeren Einflüssen wie beispielsweise der EU-Konfliktmineralienverordnung abhängig sein. Gleichzeitig betreibt die Stahlindustrie Lobbyarbeit und versucht, gemäß den Grundsätzen der deutschen Rohstoffstrategie, ihre volkswirtschaftliche Unabdingbarkeit zu verdeutlichen. Konfrontiert mit Fällen massiver Menschenrechtsverletzungen und Umweltkatastrophen wälzen die VertreterInnen der Stahlindustrie indes ihre Verantwortung ab: Nicht die Industrie, sondern die staatlichen Organe seien für den Schutz von Menschenrechten verantwortlich. So fasste Heinrich Hiesinger auf der diesjährigen Hauptversammlung zusammen: „Wir können nicht die Rolle des Gesetzgebers im jeweiligen Land und die Rolle der Aufsichtspflicht im jeweiligen Land tragen. […] Wenn wir dann natürlich im Rahmen des Supplier Code of Conduct unserer Verantwortung nachkommen und das tun wir, dann müssen wir uns aber auch […] auf lokale Zertifikate verlassen können. Wenn also unser Zulieferer, unsere Kunden uns eine Betriebsgenehmigung einer lokalen Aufsichtsbehörde nachweisen, dann wäre es anmaßend von uns und [wir wären] überhaupt nicht in der Lage, dass wir das besser überprüfen oder zertifizieren können. Ich bitt‘ Sie also, wenn Sie über Sorgfaltspflicht reden, uns wirklich die Rolle zuzuweisen, die wir erfüllen können und nicht die Rolle des Gesetzgebers, das ist nicht möglich.“

Gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sind jedoch nicht nur die Staaten, sondern insbesondere auch die Unternehmen gefordert, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette nachzukommen. Auch die Stahlhersteller dürfen nicht länger die Augen verschließen, wenn für ihre Produkte massive Menschenrechtsverletzungen begangen und ökologische Katastrophen in Kauf genommen werden.

Verweise

(1) Rang 180 von 188 laut dem UN Human Development Index von 2015.

(2) Eingeleitet wurde die Umsiedlung vom australischen Riversdale und der britisch-indischen Tata Steel, bis die Mine 2011 an Rio Tinto überging.

(3) Trotz der genannten Vorfälle haben sowohl Samarco als auch Vale die ISO-Zertifikate 9001 in Qualitätsfragen und ISO 14001 in Umweltfragen erhalten.

(4) Stattdessen wurde eine vorläufige Betriebsgenehmigung, der Termo de Ajuste de Conducta (kurz: TAC-Vertrag) zwischen Umweltbehörde und Investor ausgehandelt, welche mit einer 24-monatigen Laufzeit allerdings im April 2016 auslaufen wird. Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft bezeichnet den TAC-Vertrag als illegal.

(5) Lediglich ArcelorMittal legt dar, wie es seine Lieferanten, gemäß den OECD-Leitsätzen zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht in Konflikt- und Hochrisikogebieten, kontrollieren will. Leider beschränkt es sich auch auf die Kontrolle der direkten Lieferanten und führt nur interne, nicht unabhängige Audits durch.

Stella Wendlandt arbeitet für die Rohstoffkampagne der Christlichen Initiative Romero in Münster. Zusammen mit Anna Backmann hat sie die Studie „DiebStahl – Wie die Stahlindustrie sich aus der Verantwortung stiehlt“ in diesem Jahr veröffentlicht.

Zum Weiterlesen

Spiegel: ThyssenKrupp: Alles ganz nachhaltig
„Ansonsten, betonte Hiesinger, halte man sich an den eigenen Code of Conduct, örtliche Gesetze und die Normen des Global Compact der Uno. […] Der allerdings stellt auf den Schutz der Menschenrechte ab und somit auch auf die Verhinderung von Zwangsumsiedlungen und den Schutz der Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung. Im ostafrikanischen Mosambik scheint darauf nicht besonders geachtet worden zu sein. […] Sie ist Teil der Kampagne “Stop Mad Mining” und beschreibt die verheerenden Folgen zweier Umsiedlungsaktionen in Minen der Bergbauunternehmen Vale und Rio Tinto, zwei der rund 18.000 Zulieferer von ThyssenKrupp.“

Saarbrücker Zeitung: Arcelor-Mittal braucht Milliarden

FAZ: Sieben EU-Staaten fordern Schutz der europäischen Stahlindustrie

Junge Welt: Kein Protektionismus?

Wirtschaftsvereinigung Stahl: Klimaschutz beginnt mit Stahl, November 2015.

Die Welt: Es geht um die Existenz unserer Branche

Stahl-online.de: Konfliktmineralien – EU-Initiative zum Herkunftsnachweis bei Rohstoffen.

FDCL: Schlacke und Staub

Kritische Aktionäre zu den gesundheitlichen Auswirkungen des TKCSA-Werks auf die AnwohnerInnen

TKs Stellungnahme

Studie von DanWatch und Infos zur Kampagne Stop Mad Mining

 

Nachrichten

Spezial: EU-Regulierung zu Konfliktmineralien

TAZ: Es geht ums Gold
„Über neue Regeln für solche Rohstoffe aus Krisengebieten verhandeln seit Montag EU-Parlament, Kommission und Rat. Unternehmen sollen sicherstellen, dass sie die Stoffe nicht aus dubiosen Quellen beziehen und so Kriege finanzieren. Doch entwicklungspolitische NGOs kritisieren die Position von Kommission und Rat – denn die sind für Freiwilligkeit seitens der Firmen.“

PowerShift et. al: Konfliktrohstoffe: EU-Verordnung darf nicht hinter China zurückfallen – Bundesregierung in der Pflicht
„Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern verbindliche Sorgfaltspflichten für Unternehmen in Europa, die Rohstoffe aus Konfliktregionen nutzen. Sie fürchten schwächere Vorschriften als in China, falls sich die Vorstellungen von EU-Kommission und vieler Mitgliedsstaaten gegenüber dem EU-Parlament durchsetzen.“

WVM: Konfliktrohstoffe: WVMetalle kritisiert Entwurf der EU-Kommission
„Die Hauptgeschäftsführerin der WVMetalle verweist auch auf eine Umfrage des Verbands, nach der 90 Prozent der befragten Unternehmen im Fall einer verpflichtenden Regelung mit jährlichen Mehrkosten von bis zu einer halben Million Euro rechnen. Die meisten Kosten drohten demnach durch mehr Aufwand bei der Verwaltung sowie durch Personal- und Informationsbeschaffung.“

BDI: Trilog-Verhandlungen zur EU-Initiative zu Konfliktrohstoffen gestartet
„Umfangreiche Prüf- und Nachweispflichten zum Rohstoffbezug schaden nämlich auch den Konfliktregionen selbst. Ohne funktionierende Zertifizierungssysteme sind diese von den Rohstoffmärkten praktisch ausgeschlossen. Der BDI plädiert daher im Rahmen der Trilog-Verhandlungen dafür, dass die EU auf einen kooperativen Ansatz setzt und die bestehenden Industrie-Initiativen zum Bezug konfliktfreier Rohstoffe gestärkt werden.“

All Electronics: Konfliktmaterialien – heikle Rohstoffe für Kondensatoren und andere Bauelemente
„Der Vorschlag der EU sieht alle Konfliktgebiete weltweit vor, der BDI wolle aber der Einfachheit halber eine Fokussierung wie auf die DRC und die Anrainerstaaten, erklärte Matthias Wachter dem Deutschlandfunk,: „weil es eigentlich kein Land und keine Region gibt, wo es einen so engen Zusammenhang gibt zwischen Rohstoffen und Konflikt – sprich wo die Erträge aus dem Rohstoffgeschäft dazu beitragen, den Konflikt zu befeuern. Also sind wir der Auffassung, es wäre besser, wenn sich der Kommissionsvorschlag auch auf eine Region wie Kongo … konzentrieren würde.““

The Strategic Sourceror: Intel plans to remove all conflict materials from supply chains

Mineweb.com: End users forced to become custodians of their supply chains

S&D: “Trade is not a licence to kill”, say Gianni Pittella, Marie Arena and David Martin – EN/FR
“The position of the European Parliament is clear. We want fair and responsible trade. This is why we defend a mandatory regulation that will be applied not only to raw materials, but also to manufactured products which we consume in Europe. But the Council is still very far from our position on this matter, because it proposes a voluntary system, only applicable to companies importing minerals and metals. This position even manages to fall short of what the Commission proposed. This means that such a regulation would only help Europe to feel good about itself as opposed to having any real impact on the ground or changing the behaviour of companies. If the Council does not move their line on these two aspects, for us, this trilogue will not be able to deliver.”

Misereor: Konfliktrohstoffe und Coltanabbau im Kongo
„Fungamwaka, eine Mine im Osten des Kongos. Diese Männer arbeiten damit wir telefonieren können.“ Ein neuer Kurzfilm führt mit diesen Worten in die dramatische Situation hunderttausender Kleinschürfer im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) ein. […] Vielfach finanzieren sich Milizen direkt oder indirekt vom Coltanabbau, der so zu einer Verschärfung der Konflikte in einer ohnehin sehr fragilen Region beiträgt.“

European NGO Coalition: EU responsible mineral sourcing regulation
“The Council’s mandate fails to offer an effective EU response to this problem. Not only is the Council proposing a voluntary scheme and ignoring the vast majority of companies that place tin, tantalum, tungsten or gold (‘3TG’) on the EU market […]. It is also significantly undermining the leading international framework previously endorsed by the EU—the OECD’s Due Diligence Guidance. In doing so, the Council is watering down the very meaning of being a responsible company.”

ÖFSE Briefingpaper #13: Konfliktmineralien: Möglichkeiten und Grenzen aktueller Regulierungsinitiativen

Zeit: Smartphones aus Kinderarbeit
„Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts stammt demnach aus dem Kongo. Elektronikhersteller wie Apple, Samsung und Sony versäumten es auszuschließen, dass von Kindern gefördertes Kobalt aus dem Süden des Kongos in ihren Geräten verarbeitet werde, hieß es in dem Amnesty-Bericht. Die Unternehmen wiesen die Anschuldigungen zurück.“

Reuters: Brutal Cartels Fight Over Mexico’s ‘Conflict-Free’ Gold Revenues
“But residents of Carrizalillo in the impoverished state of Guerrero say the some $3 million a year in rent paid by Goldcorp for their land, which the mine is built on, is fuelling a bloody feud between two rival cartels.”

Deutsche Rohstoffpolitik

Klima der Gerechtigkeit: ProgRess II – mit Sicherheit über die planetarischen Grenzen hinaus
„Das Bundeskabinett hat am 2. März eine Fortschreibung des Ressourceneffizienzprogramms beschlossen. Die Leitidee von ProgRess II ist es kurz gesagt, Innovationen und Chancen zu nutzen, um ökologische Grenzen beim weltweiten Wirtschaften einzuhalten. […] Trotz vieler einzelner guter Maßnahmen wird Deutschland es nicht schaffen, mit ProgRess die Menschenrechte ausreichend zu schützen und den Rohstoffhunger von Wirtschaft und Gesellschaft auf ein verträgliches Maß zu reduzieren.“ Dazu auch Kommentare aus der Zivilgesellschaft (Pressemitteilungen von Germanwatch und dem NABU) sowie das Dokument zum Deutschen Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) II.

BMWi: Staatssekretär Beckmeyer reist nach Lima: Deutsch-peruanische Wirtschaftszusammenarbeit und Transparenz im Rohstoffsektor stehen im Mittelpunkt
„Staatssekretär Beckmeyer hierzu: “Wir streben mit Peru eine nachhaltige und partnerschaftliche Zusammenarbeit an. Deutschland war 2015 wichtigster Handelspartner Perus innerhalb der Europäischen Union. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind jedoch nicht einseitig auf den Bezug von Rohstoffen ausgerichtet. Vielmehr sind gerade auch Forschung und Ausbildung wichtige Aspekte unserer Zusammenarbeit. Als Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die Umsetzung von EITI in Deutschland liegt mir insbesondere das Thema Transparenz im Rohstoffbereich besonders am Herzen.”“

BDI: Rohstoffdialog zu Ungebundenen Finanzkrediten (UFK) unterstreicht Bedeutung des Garantieinstruments
„Mit Hilfe der Garantien für Ungebundene Finanzkredite (UFK) unterstützt die Bundesregierung insbesondere Energie- und Rohstoffprojekte im Ausland, die einen positiven Beitrag zur Versorgungssicherheit der Bundesrepublik Deutschland leisten. […] Es ist von zentraler Bedeutung, dass die Diskussion zur Weiterentwicklung der Finanzierungsinstrumente zur Rohstoffsicherung auf der politischen Agenda bleibt. Um den Erfahrungsaustausch zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), den Mandataren des Bundes für UFK-Garantien sowie den Nutzern des UFK-Instruments zu verstetigen, hat Mitte November der zweite Rohstoffdialog zum UFK-Instrumentarium im BDI stattgefunden.“

Deutschlandfunk: Bauschutt soll endlich recycelt werden
„Michael Knipper, Chef des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, sagt: Strenge Grenzwerte machten Recycling-Produkte noch teurer, ihre Verwendung noch unattraktiver. “[…] Wir können nie den neusten Stand der Wissenschaft und Technik berücksichtigen.” […] Der Umwelt-Ministerialdirektor Helge Wendenburg ringt um Fassung: “Da ist jetzt drei Mal gefallen, wir würden wissenschaftlich abgeleitete Werte nehmen. Ja, mein Gott, was ist denn die Alternative?! Unwissenschaftlich Abgeleitete?”“

TAZ: Bericht über Rohstoffimporte: Die Nachfrage sinkt
„Die deutsche Industrie profitiert von günstigen Rohstoffpreisen. Das ist das Ergebnis des jährlichen Berichts zur Rohstoffsituation in Deutschland, den die Bundesanstalt für Rohstoffe (BGR) am Dienstag veröffentlicht hat. Zwar sind die Importe mineralischer und Energierohstoffe im vergangenen Jahr um 4 Prozent von 336 auf 322 Millionen Tonnen gesunken, der Wert der importierten Rohstoffe ging aber wesentlich stärker zurück – um 15 Prozent von 144 auf 123 Milliarden Euro.“

Deutsche Unternehmen / Verbände:

Aurubis / Kritische Aktionäre: Gegenanträge zur ordentlichen Hauptversammlung am 24. Februar 2016 in Hamburg
„Trotz Ankündigung der Aurubis, ein Lieferantenscreening durchzuführen, können Lieferanten der Aurubis ohne Konsequenzen weiterhin Umwelt- und Menschenrechtsverstöße ausüben. Dadurch macht sich Aurubis als Käufer solcher Rohstoffe mitschuldig an den damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen. Die Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette darf nicht an einem falsch verstandenen “Kosten-Nutzen-Verhältnis” scheitern: Menschenrechte sind nicht verhandelbar.“

Tagesschau: Giftiger Bohrschlamm, Sondermüll, den keiner will
„Endlagerung in Untertage-Giftmülldeponien? Bei den Dimensionen, um die es bei den Bohrschlämmen geht, vermutlich eine technisch und finanziell kaum lösbare Aufgabe. Nach bisherigen Schätzungen gibt es bundesweit mindestens 1400 Borschlammgruben. Das Umweltministerium in Niedersachsen nennt derzeit 519 sogenannte “Verdachtsflächen” allein in diesem Land.“ Kommentar der Zivilgesellschaft: „Fracking verschärft Entsorgungsproblem giftiger Bohrschlämme“

BDI: Unser Heimvorteil: Erdgas aus Deutschland
„Deutschland braucht einen verlässlichen, vernünftigen Rechtsrahmen, der der Erdgasproduktion eine Perspektive eröffnet. Die hochqualifizierten Mitarbeiter arbeiten täglich mit höchsten Anforderungen an Umweltschutz und Arbeitssicherheit, damit die Erdgasproduktion in Deutschland umweltverträglich ist und auch in Zukunft zu einer sicheren Energieversorgung beiträgt. Im niedersächsischen Celle befindet sich die weltweit einzigartige Bohrmeisterschule, in der diese Kompetenzen vermittelt werden. Dieses Know-how ist auch Vorbild und Exportschlager für internationale Projekte.“

BDI: Industrie unterstützt Initiative zur Kreislaufwirtschaft
„Lösch warnte davor, bei der Ausgestaltung der Kreislaufwirtschaft andere gut funktionierende Instrumente zu gefährden. „Es wäre kontraproduktiv, die Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie durch neue gesetzliche Vorgaben zum Recycling einseitig zu verzerren.“ Bei der Gestaltung von Produkten müssten alle Aspekte ausgewogen berücksichtigt werden: Umweltschutz, Sicherheit und Funktionalität.“

Industrie Magazin: Bosch investiert in den Bergbau in Afrika
„Bosch will verstärkt in Afrika investieren und im Bergbausektor Fuß fassen. Der deutsche Zulieferer von Industrietechnik und Dienstleistungen wolle die Zahl seiner Standorte von bisher 10 auf 24 ausweiten, sagte Michael Kloss, der Geschäftsführer von Bosch südlich der Sahara, auf der Bergbaukonferenz Mining Indaba.“ Dazu auch: Handelsblatt: Deutscher Konzern setzt auf Afrikas Bergbausektor

WOZ: Politische Justiz zum Schutz wirtschaftlicher Interessen
„Argor-Heraeus sah sich also zwei schweren Vorwürfen ausgesetzt: der Geldwäscherei und der Gehilfenschaft zu Kriegsverbrechen durch Plünderung. Unter diesem Titel eröffnete die Bundesanwaltschaft im Herbst 2013 das Verfahren. Sie durchsuchte die Büros von Argor-Heraeus in Mendrisio, ordnete verschiedene Telefonüberwachungen an und nahm Einsicht in Ermittlungsakten aus Britannien.“

Spiegel: Rohstoffe aus Krisenregionen: Schmutziges Gold
„Es gibt zweifelhafte Quellen, in einigen Minen müssen Kinder arbeiten, es herrschen katastrophale Umwelt- und Arbeitsbedingungen. Zuweilen dient der Gewinn aus dem Handel mit dem Edelmetall Rebellen zur Finanzierung von Waffen. Die Berichte über “Blutgold” aus dem Kongo sind so detailliert (aktuell beispielsweise hier), dass weder die Branche noch Goldanleger sie ignorieren können – auch Argor-Heraeus hat Erfahrungen damit.“

Europäische Rohstoffpolitik

Frankfurter Rundschau: Der moderne Kolonialismus
„Zwei Jahre später gründete die EU die Raw Material Initiative für den „diskriminierungsfreien Zugang zu Rohstoffen auf dem Weltmarkt“ mit dem Ziel, Zölle, Subventionen, Ausfuhrbeschränken oder Exportsteuern aus dem Weg zu räumen. Um das zu erreichen, setzt die EU auf Freihandelsabkommen. […] Viele beinhalten Schiedsgerichtsverfahren, wie sie beim transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP umstritten sind. In solchen Verfahren können Investoren Staaten verklagen, sollten sie ihre Investitionen und Gewinne gefährdet sehen.“ Zur Studie: Alles für uns!? – Der globale Einfluss der europäischen Handels- und Investitionspolitik auf Rohstoffausbeutung

South Centre: The Rise of Investor-State Dispute Settlement in the Extractive Sectors: Challenges and Considerations for African Countries
“The paper concludes that in the case of African countries, similar to other developing countries, the expansion of international investment agreements could carry significant risks to policy space and policy tools necessary for industrialization and development. In the case of African countries, this implies risks to the potential use of sectoral policies, such as policies in the extractive industries and the ‘Africa Mining Vision’, in order to support and promote African countries’ industrialization objectives.”

Mining.com: Indonesia to ease mineral export ban from 2017
“Indonesia imposed the polemic ban on metal ore exports in early 2014, in an attempt to improve returns on resources shipped out of the country by developing smelters that would add value to resources and create jobs.”

Deutsche Welle: Global Witness: ‘EU needs to take firm stand on conflict minerals’
“The Kimberly Process is a government-led scheme. But in 2011, the United Nations unanimously endorsed the UN guiding principles on business and human rights. And the principles really make it very clear that it is not only governments that have responsibilities as far as human rights are concerned. Companies really have a responsibility, too, to respect human rights in their operations, whether it is in their own territories or overseas.”

Council of Europe: Committee of Ministers adopted Recommendation on human rights and business
“Building on the 2011 UN Guiding Principles, the Committee of Ministers of the Council of Europe adopted Recommendation CM/Rec(2016)3 on human rights and business, a text that provides more specific guidance to assist member States in preventing and remedying human rights violations by business enterprises and also insists on measures to induce business to respect human rights.” Dazu Kommentar der Zivilgesellschaft: NGOs welcome adoption of new Council of Europe Recommendation on Human Rights and Business

The Maritime Executive: E.U. Deepsea Mining Project Launched
“The independent, dedicated environmental part will focus on environmental pressures and on an Environmental Impact Assessment. In all areas, Blue Nodules will build on the results of the European FP7 projects, MIDAS and Blue Mining and the EcoMining pilot action funded by the JPI Oceans initiative of the European science foundations.”

Auto-Revue: Die Rohstoff-Falle – Wie sinnvoll ist Recycling?
„Während die Sicherung von Rohstoffreserven für die USA immer schon ein vordringliches nationales Anliegen war und für China ganz oben in der politischen Agenda steht, wurde das Thema bis heute in Europa eher verdrängt als verfolgt. Die Bemühungen zur Sicherung von Rohstoffreserven erfolgen zögerlich, gleichzeitig gehen mit dem systematischen Export alter Autos riesige Mengen an Rohstoffen verloren. Nur ein Viertel verbleibt in Europa. Rohstoffpolitik ist auch eine der wirklich harten Herausforderungen, im Spannungsfeld zwischen legitimem Bedarf, Ausbeutung, Korruption, Menschenschicksalen und Umweltzerstörung, jedenfalls kein Spielplatz der Harmoniesuchenden.“

Romania-Insider: Romania’s Ministry of Culture shuts down the Rosia Montana gold mining project

“Romania’s Ministry of Culture has decided that the town of Rosia Montana and its surroundings should be classified as category A historic monuments. This means that any intervention that may affect the area is forbidden.”

Save Rosia Montana und die Zivilgesellschaft in Rumänien dazu: ““This is not just a huge gain for our cultural heritage; it’s a great victory for civil society – for the thousands of people here and abroad who demanded for Roşia Montană to be saved,” says Eugen David, president of the Alburnus Maior Association of local residents.”

Sonstiges

Ein kleiner Überblick über ökologische Auswirkungen von Bergbau, dessen Altlasten, Landrutschen, Klagen gegen Unternehmen und dem Umgang mit Reststoffen.

Deutschlandfunk: Tagebau – Schutt in der Tiefsee entsorgen

Mining.Com: Imperial Metals escapes charges from Mount Polley tailings breach

Reuters: Hungary court acquits leaders of firm behind toxic spill

Greenpeace: Still no one held responsible for 2010 red sludge disaster in Hungary

Business & Human Rights Resource Center: Myanmar: Another deadly landslide hits Hpakant; jade miners said to be “in overdrive” before new govt. takes office

Leigh Day: Victory at last for South African gold miners as Anglo American and AngloGold agree landmark silicosis compensation scheme

Blickpunkt Lateinamerika: Empörung über Einigung des Staates mit Samarco

Bloomberg Magazine: Malaysia to Ban Bauxite Mining for 3 Months to Cut Pollution

Der Standard: Island: Aluminiumfabriken gegen Naturschutz im Niemandsland

 

New York Times: If It Owns a Well or a Mine, It’s Probably in Trouble
“The international mining company Anglo American is pulling back broadly, with a goal to reduce the company’s size by 60 percent. […] In July, the company outlined plans to cut 53,000 jobs after reporting a loss of $3 billion for the first half of the year. Now, Anglo American plans to reduce its current work force of 135,000, to 50,000 employees.”

Financial Post: Mining’s $1.4 trillion plunge is like losing Apple, Google and Exxon combined

Mining.Com: CHARTS: Chinese supercycle can’t be repeated

Mining.Com: Decline of coal demand is ‘irreversible’
“Goldman sees long-term coal prices at $42.50 per tonne. “Unlike most other commodities, thermal coal is unlikely to experience another period of tightness ever again because investment in new coal-fired generation is becoming less common and the implied decline in long-term demand appears to be irreversible,” Goldman Sachs’ analysts concluded. […] It also ensures that the list of coal companies that have declared bankruptcy – at least several dozen in the last four years – will continue to grow.”

Klimaretter: Lithium ist das neue Öl
„Im Gegensatz zu Öl und anderen Rohstoffen hat sich der Lithium-Preis letztes Jahr steil nach oben entwickelt. Während eine Tonne Lithiumsalz (Lithiumkarbonat, ein weißes Pulver) Anfang 2015 noch rund 5.000 US-Dollar gekostet hat, lag der Preis am Ende des Jahres bei knapp 14.000 Dollar. Einige Daimler-Konkurrenten bauen daher nicht nur Batteriefabriken, sondern steigen auch in die Lithiumgewinnung ein: Toyota ist an einer Lithiummine in Argentinien beteiligt und Tesla an einem Projekt in Mexiko.”

Financial times: Tesla in stand-off over lithium supply

Mining.Com: Rio Tinto bets on lithium as Tesla yet to sign major supply deal

Oilprice.com: Electric Car War Sends Lithium Prices Sky High

Global Witness: Important step forward in campaign against anonymous companies
“[T]he global transparency initiative which promotes good governance of natural resources – the Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) – agreed to make beneficial ownership transparency an obligation on all 49 member countries. This is an important step forward towards shining a light on who owns and controls companies so that they can no longer be used anonymously against the public good.”

Amnesty International: Myanmar: Letpadaung mine protesters still denied justice

“The Letpadaung copper mining project has come to represent all that is wrong with the Myanmar government’s approach of prioritizing profits and foreign investment over human rights.”

Energy & Capital: Mining in Myanmar – The New Jewel of the Southeast?

Tiroler Tagesanzeiger: Afrikas Rohstoff-Dilemma: In der Krise liegt die Chance

Publikationen

Das FDCL hat mehrere Briefing-Paper zu Bergbau in Lateinamerika herausgebracht, darunter zu: Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien und Peru

FDCL: BERGBAUBOOM IN LATEINAMERIKA

FDCL: MINING BOOM IN LATIN AMERICA

Brot für die Welt, Misereor, Germanwatch: Menschenrechte sind kein Wunschkonzert

Christliche Initiative Romero: DiebStahl – Wie die Stahlindustrie sich aus der Verantwortung stiehlt

EITI Philippines: An open database of Mining, Oil and Gas Contracts in the Philippines

Forum Umwelt & Entwicklung: Transparenz im Rohstoffsektor. Die freiwillige Initiative EITI und verbindliche EU-Regeln im Vergleich

Germanwatch: Aktuelles zum Fairphone

ICMM: Demonstrating value – a guide to responsible sourcing

Kohleausstieg-Berlin: Her mit dem Ausstieg! Warum sich Berlin die Kohle nicht mehr leisten kann

Kritische Aktionäre: Rede bei der Hauptversammlung der Aurubis AG am 24.02.2016

ÖFSE Briefingpaper #13: Konfliktmineralien: Möglichkeiten und Grenzen aktueller Regulierungsinitiativen

Politische Ökologie: Glück auf? Bergbau vor der Zeitwende

PowerShift / Rosa Luxemburg Stiftung: Alles für uns!? – Der globale Einfluss der europäischen Handels- und Investitionspolitik auf Rohstoffausbeutung

RohPolRes: Handlungsbedarfe und Optionen für eine innovationsorientierte Ressourcenpolitik in planetaren Grenzen

RohPolRes: Innovationsorientierte Ressourcenpolitik in planetaren Grenzen

SOMO: Multinational corporations in conflict-affected areas – Risks and challenges around human rights and conflict

Stiftung Asienhaus: Ressourcenabbau in Indien – Konflikte um Rechtsstaat und Menschenrechte

Urgewald: Totengräber der Berge stoppen

Termine

13.04.2016 (Berlin): Geothermie – Energiechance oder Risikotechnologie?

16.04.2016 (Köln): 4. Asientag in Köln: Im Windschatten des Wachstums: Ungleichheiten, Extraktivismus, Bewegungen

20.04.2016 (Wien): Plough Back the Money – mit Gästen aus Südafrika

21.04.2016 (Berlin): Reden ist Silber, Handeln ist Platin – Platinabbau in Südafrika und die Lieferkettenverantwortung der deutschen Industrie; mit Gästen aus Südafrika

22.04.2016 (Berlin): Miners Shot Down – Film und Gespräch mit Gästen aus Südafrika

24.04.2016 (Berlin): Miners Shot Down – Film und Gespräch mit Gästen aus Südafrika

26.04.2016 (Zürich): Miners Shot Down – Film und Gespräch mit Gästen aus Südafrika

27.04.2016 (Mannheim): Entlang der Wertschöpfungskette: Südafrikanisches Platin in der deutschen Industrie. Was hat BASF mit dem Massaker von Marikana zu tun? – mit Gästen aus Südafrika

04.-06.07.16 (Ulan Bator, Mongolei): 11th Asia-Europe People’s Forum

Impressum

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AK Rohstoffe ist ein Netzwerk von deutschen Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Seit 2008 trifft sich der AK Rohstoffe regelmäßig und diskutiert negative Auswirkungen des (metallischen und nichtmetallischen) Rohstoffabbaus in den Ländern des globalen Südens und Nordens sowie die politischen Trends, die diese bedingen. Seit dem 1. Mai 2013 existiert ein Koordinationsbüro in Berlin.

Herausgeber: Michael Reckordt; Kontakt: michael.reckordt@power-shift.de; 030 42805479

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