AK Rohstoffe Newsletter #14- Fokus auf Industrie 4.0

Liebe Leser/innen,

Herzlich Willkommen zum 14. Newsletter des AK Rohstoffe. Wie immer hoffen wir, dass Sie unseren Newsletter hilfreich für Ihre Arbeit finden. Neben dem Newsletter sind die Organisationen unseres Netzwerks auch immer wieder in vielfältige Aktionen und Veranstaltungen involviert. Viele der Organisationen arbeiten zum Beispiel für einen ambitionierten Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in Deutschland. Leider blockiert die Industrie den Prozess und die deutsche Politik scheint nicht in der Lage, eine stärkere menschenrechtliche Fokussierung durchzusetzen. Daher helfen Sie uns Druck zu machen und beteiligen Sie sich an der Online-Petition.

Darüber hinaus organisieren wir dieses Jahr zwei Fortbildungen zum Thema Rohstoffpolitik. Am 9. und 10. September findet der erste Crashkurs zur deutschen Rohstoffpolitik in Goslar statt. Infos gibt es in Kürze auf http://power-shift.de.

Auch auf europäischer Ebene werden wir mit den Kolleg/innen von Mining Watch Romania am 29. und 30. September einen Crashkurs zur europäischen Rohstoffpolitik in Bukarest abhalten. Auch hierzu sind Bewerbungen noch möglich: http://power-shift.de/?p=6766.

Um Industrie 4.0 wird es in beiden Crashkursen wohl nur am Rande gehen, obwohl das Thema eine immer größere mediale und politische Aufmerksamkeit erfährt. Im Juli wird der BDI seinen 5. Rohstoffkongress zu dem Thema abhalten. Katja George hat sich für diesen Newsletter schon jetzt die Mühe gemacht und die Diskussionsstränge aufgearbeitet, mögliche rohstoffpolitische Konsequenzen benannt und zivilgesellschaftliche Handlungsempfehlungen gegeben. Viel Spaß beim Lesen und Diskutieren.

Wenn Sie diesen Newsletter hilfreich fandet, gerne an Kolleg/innen den Anmelde-Link weiterleiten: http://seu.cleverreach.com/f/32440-65441/

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Reckordt
(Koordination AK Rohstoffe)

 

Fokus auf: Industrie 4.0

Blick in die Zukunft

Für den australischen Bergbaukonzern Rio Tinto ist die Smart Factory schon Teil der Gegenwart. Ein Betriebszentrum in Perth kontrolliert einen ganzen Eisenerzdistrikt mit 15 Minen, 1.300 km entfernt. Minenfahrzeuge, ausgestattet mit jeweils über 200 Sensoren, GPS und Radarsystemen transportieren hier völlig fahrerlos die Metalle. Der Konzern sieht die technologischen Veränderungen positiv. In einem Werbevideo des Rio Tinto- Programms „Mine of the future”, welches die Digitalisierung der Produktion vorantreibt, heißt es: „As the (technological) transformation gets faster the demand for natural resources gets even greater. To meet this growing demand the world needs to dramatically boost its mineral supply“. Der Konzern verspricht sich von einer zunehmenden Vernetzung mehr Nachfrage für seine Produkte und gleichzeitig für die eigene Produktion eine Steigerung der Produktivität, Effizienz; mehr Extraktionspotenzial, Zuverlässigkeit und Sicherheit.

Industrie 4.0

Auch in Deutschland ist die Digitalisierung der Wirtschaft gerade in aller Munde und läuft unter dem Stichwort „Industrie 4.0“. Diese gilt als die vierte Revolution in der Produktionsgeschichte. Brachten die ersten Revolutionen die Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung, verzahnt sich nun „die Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik“ so die Plattform Industrie 4.0, ein Zusammenschluss aus Vertretern von Politik und Wirtschaft. Greifbar formuliert es das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI): „Wenn Bauteile eigenständig mit der Produktionsanlage kommunizieren und bei Bedarf selbst eine Reparatur veranlassen – wenn sich Menschen, Maschinen und industrielle Prozesse intelligent vernetzen, sprechen wir von Industrie 4.0“. So sollen in der Zukunft in der Smart Factory intelligente Maschinen, Lagersysteme und Betriebsmittel als sogenannte Cy­ber-Physical Systems weltweit vernetzt werden. Industrielle Prozesse sollen durch erhöhte Flexibilität produktiver werden, weil kurzfristig auf Ausfälle und Störungen reagiert werden kann. Laut Bundesministerium für Forschung und Bildung wird so „die Produktion (…) durchgängig transparent und ermöglicht optimale Entscheidungen. Durch In­dustrie 4.0 entstehen neue Formen von Wertschöp­fung und neuartige Geschäftsmodelle.“ Einer Studie des Digitalverband Bitkom zufolge seien besonders die Brachen Maschinen- und Automobilbau, Elektrotechnik, chemische Industrie, Landwirtschaft sowie Informations- und Kommunikationstechnologie betroffen. Hier liegt ein Wertschöpfungspotenzial von zusätzlichen 78 Mrd. Euro bis 2025 (1,7 Prozent Wachstum pro Jahr).

Akteure und Ziele im Projekt Industrie 4.0

Das maßgebende Ziel vieler Akteure die Initiative Industrie 4.0 zu fördern, ist die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Europas und Deutschlands. So bezeichnete Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede bei der Messe Hannover 2016 die Digitalisierung als Schlacht, die für Deutschland und Europa zu gewinnen wäre und für die jetzt die Weichen gestellt werden müssten. Ähnlich sieht es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Heute werden wichtige Grundlagen für den Wettlauf um die Produkte und die Märkte von morgen gelegt. Unser Ziel ist es, Deutschland als digitales Wachstumsland Nr. 1 in Europa zu etablieren“. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag geeinigt Industrie 4.0 intensiv zu fördern, um für Deutschland die „Technologieführerschaft im Maschinenbau zu erhalten“. So ist sie auch in der Forschungspolitik als Schwerpunkt in der Hightech-Strategie von 2014 verankert.

Auf europäischer Ebene hat die Kommission im April die „Digitising European Industry“-Strategie vorgestellt. In ihr wird versprochen bis zu 50 Mrd. Euro für die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren durch private und öffentliche Investitionen bereit zu stellen. EU-Kommissar Günther Oettinger erklärt: „Europa kann seine führende Rolle nur behaupten, wenn sich die Unternehmen erfolgreich und rasch der Digitalisierung öffnen“. Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), kritisiert die Summe allerdings als „Tropfen auf dem heißen Stein“ und fordert deutlich höhere Investitionen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten.

Auch die parlamentarische Opposition kritisiert die bisherige Diskussion kaum. Bei den Grünen betont Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann die Chancen der Industrie 4.0 für die Gestaltung einer grünen Ökonomie. So leiste sie „einen wichtigen Beitrag zur Senkung des Energie- und Rohstoffverbrauchs – die Produktionslinien werden effizienter gestaltet“. Teile der Linken und Grünen kritisieren das Programm Industrie 4.0 betonen zwar die Risiken von neuartigen, prekären Arbeitsbedingungen, sind in der Diskussion aber kaum zu vernehmen.

Wirtschaftsvertreter/innen drängen derweil darauf die Entwicklung von Industrie 4.0 schneller voranzutreiben. In einem Positionspapier der AG Silikon Germany, einer akteursübergreifenden Plattform der deutschen Mikro- und Nanoelektronikbranche, warnen führende deutsche Technologieunternehmen wie Infineon und Bosch vor einem Zurückbleiben Deutschlands: „Die Konkurrenten aus Asien und den USA sind stark und werden von ihren Regierungen gezielt durch Förderprogramme gestützt“. Sie fordern den Bund auf mehr zu investieren: „Es ist wichtig, dass Unternehmen in Europa und Deutschland ebenfalls durch gezielte Maßnahmen gefördert werden. (…) Diese Chance darf nicht vertan werden.“ Auch Ulrich Grillo, Präsident des BDI fordert: „Deutschland muss jetzt zum Sprung in die Gigabit-Gesellschaft ansetzen. Sonst droht der Industriestandort auf Jahre abgehängt zu werden.“ Dazu brauche es vor allem einen schnellen Ausbau eines leistungsfähigeren Breitbandnetzes.

Ein wirtschaftlicher Akteur, der Industrie 4.0 besonders vorantreibt, ist Bosch. Für das Unternehmen ergeben sich durch die „Vernetzung von physischen Objekten mit der virtuellen Welt mittels aktueller Technologien bereits heute neue Geschäftsmodelle.“ Auf der Messe in Hannover plädierte Bosch-Geschäftsführer Dr. Werner Struth daher dafür die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) zeitnah abzuschließen, denn „Industrie 4.0 profitiert vom Freihandel“. Jetzt sei „die Gelegenheit für Europa, wichtige Rahmenbedingungen für die digitale Wirtschaft und zum Schutz geistigen Eigentums zu setzen. Sonst könnten andere Regionen mit anderen Abkommen stärkeren Einfluss auf die Ausgestaltung des Welthandels nehmen.“

Auch der Wirtschaftsverband Stahl und Metallverarbeitung sieht seine Brachen von Industrie 4.0 „als unmittelbar und aktuell betroffen und als in der Mitte der industriellen Wertschöpfungsketten stehend sogar in ganz besonderem Maße.“ Firmen kooperieren beispielsweise vermehrt mit IT- Unternehmen und können laut Thyssen Krupp Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesing „Wertschöpfungsketten und Kundenbindung mit Hilfe digitaler Anwendungen verbessern.“

Die verschiedenen Akteure treffen sich auch auf der deutschen Plattform Industrie 4.0, das laut BMWI „größte und vielfältigste Industrie 4.0-Netzwerk“. Dieses hat nach eigenem Selbstverständnis das Ziel zu erarbeiten „wie Deutschland (…) der Fabrikausrüster für die Industrie 4.0 sein kann, wie der Produktionsstandort Deutschland mit Industrie 4.0 seine Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern kann, welche Rolle Deutschland bei der Setzung von Standards spielen kann und wie die Arbeitswelt mit Industrie 4.0 zum Nutzen der Menschen gestaltet werden kann“. Auf der Plattform sollen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, um Standards und Rahmenbedingen zu schaffen. Unter Leitung von Wirtschafts- und Forschungsministeriums, kommen hier vor allem die Mitglieder der Unternehmerverbände Bitkom, Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zusammen sowie beratende wissenschaftliche Organisationen. Trotz der gesamtgesellschaftlichen Relevanz des Themas, nehmen bis auf Gewerkschaften keine Mitglieder der Zivilgesellschaft teil. Dementsprechend verläuft die Diskussion nur in bestimmten Bahnen. Kai Gehring und Dieter Janecek von den Grünen bemängeln: „Ökologische Themen sind (…) Fehlanzeige in den Arbeitsaufträgen der Plattform. Die Bundesregierung befindet sich hier auf einem Blindflug.“

Allgemein wird das Thema Industrie 4.0 in der Zivilgesellschaft bis jetzt vor allem arbeitspolitisch diskutiert. Hingegen haben Umweltverbände oder entwicklungspolitische Organisationen das Thema bis jetzt nicht öffentlichkeitswirksam aufgegriffen. Wie durch die vorangehenden industriellen Revolutionen sind allerdings auch bei der Industrie 4.0 weitgreifende Folgen auf viele andere gesellschaftliche Bereiche zu erwarten.

Industrie 4.0 und Ressourcenverbrauch

Dies trifft zum Beispiel auf den Rohstoffverbrauch im Zusammenhang mit Industrie 4.0 zu. Glaubt man den Befürworter/innen, so führt Industrie 4.0 direkt zu einer Win-win-Situation für Mensch, Natur und Unternehmen. Durch eine Effizienzsteigerung von 3,3 Prozent jährlich werde mehr produziert und gleichzeitig weniger Rohstoffe und Energie verbraucht, so eine Studie der Unternehmensberatung pwc. Laut einem Bericht der Forschungsunion Wirtschaft sollen Rohstoff- und Energieeinsparungen im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk möglich sein. In der Smart Factory können Produktionsabläufe besser überwacht und flexibel optimiert werden. So lasse sich Verschwendung vermeiden. Produkte könnten nun mit dem kleinstmöglichen Materialeinsatz hergestellt werden. Auch durch den Wechsel von der Massenproduktion zur „Massenmaßanfertigung“, also der Ermöglichung Produkte nach individuellen Wünschen zu den Kosten der Massenproduktion herzustellen, sollen Ressourceneinsparungen stattfinden, zum Beispiel durch weniger Lagerungsbedarf und weniger Abfall. Werden wir also in ein glorioses Zeitalter eintreten, in dem mehr Konsum nicht mehr Verbrauch bedeutet?

Mehr Effizienz zu versprechen ist zunächst einmal nichts Neues. Bereits die industriellen Revolutionen zuvor ermöglichten eine immer effizientere Produktion mit allerdings gleichzeitig immer weiter wachsendem Material und Energieverbrauch. So stieg beispielsweise Englands Kohleverbrauch nach der Einführung von James Watts Dampfmaschine trotz ihrer viel höheren Effizienz gegenüber der Vorgängervariante. Studien, wie vom Wuppertal Institut, zweifeln daher an, dass Rohstoff- und Energieverbrauch vor allem durch Effizienzsteigerungen erzielt werden können. Durch Rebound-Effekte können Einsparpotenziale verringert, teilweise sogar überkompensiert werden. So sieht selbst die Forschungsunion Wirtschaft mögliche „Trade-offs zwischen dem Zusatzeinsatz an Ressourcen durch die Smart Factory und Einspar­potenzialen“. Gleichermaßen prognostiziert eine Studie des britischen Government Office for Science, dass das Internet der Dinge einen signifikant erhöhten Energiebedarf bedeuten würde. Auch wenn ein einzelner vernetzender Sender nur wenig Energie benötige, der Energiebedarf insgesamt würde durch ihre Masse steigen. Hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs der Massenmaßanfertigung fanden Wissenschaftler/innen wie Chin und Smithwick heraus, dass vor allem eine Verlagerung stattfindet. Obgleich es Einsparungen gebe, würden diese durch energie- und ressourcenaufwändigere Prozesse bei der Produktion konterkariert. Beispielsweise werden die Unikate häufig einzeln verpackt und verschifft.

So ist es wichtig sich vor Augen zu halten, dass die Industrie 4.0 nicht nur aus Daten besteht, sondern genauso aus Geräten, die diese abspeichern, weiterleiten, auswerten. Das bestätigt der Vorsitzende der ZVEI Michael Ziesemer: „Schon im Begriff Internet der Dinge, zu dem ja auch Industrie 4.0 gehört, steckt es drin: Es geht nicht nur ums Internet, sondern auch um die Dinge.“ Für diese neuen Dinge werden Rohstoffe gebraucht, ein Grund warum Alan Davies, Vorstandsvorsitzender bei Rio Tinto die Zukunft seiner Brache positiv sieht: „The long-term fundamentals are pretty clear. The world will continue to demand the metals and minerals that make modern life work”. Konkret müssen die Fabriken mit Cyber-Physical Systems eingerichtet, das Breitbandnetz erneuert und ausgebaut werden. Dazu kommt die Ausrüstung von Arbeiter/innen und Privatpersonen mit elektronischen Geräten wie Smartphones, Tablets und sogenannten Wearable Technologies, also Technologien, die direkt am Körper getragen werden, wie intelligente Kleidung oder Smartwatches. Neben dem Rohstoffverbrauch wird ein Energiebedarf kreiert, der zuvor nicht vorhanden war. Bei Wearables wird der weltweite Marktanteil voraussichtlich von heute 20 Mrd. US$ auf 70 Mrd. US$ bis 2025 steigen. Auch Bergbaukonzerne versprechen sich durch solche Technologien, die von Bergbauarbeiter/innen getragen werden, mehr Sicherheit und Effizienz im Abbau.

Welche Rohstoffe braucht Industrie 4.0?

Industrie 4.0 benötigt eine Vielzahl von Rohstoffen. Einige der wichtigsten Metalle für Zukunftstechnologien sind Seltene Erden, Kupfer, Platin, Lithium, Tantal und Hochtechnologieelemente wie Germanium oder Tellur. Ihr Abbau hat immer eine spezifische Problematik in Hinsicht auf Umweltauswirkungen und Menschenrechtsverletzungen.

Seltene Erden werden im Hochtechnologiesektor und zunehmend für Batterien in tragbaren elektronischen Geräten genutzt. Sie zählen zu den „kritischen Metallen“, vor allem weil über 90 Prozent der Produktion in China stattfindet. Um dieser Monopolstellung entgegen zu wirken, werden weltweit neue Produktionsstätten eröffnet, wie in Kuantan an der Ostküste Malaysias. Dort protestieren seit 2011 lokale Bevölkerung und Aktivist/innen, denn der Abbau und die Aufarbeitung von Seltenen Erden bedeuten hohe Umweltbelastungen und Gesundheitsrisiken, besonders durch Emissionen und radioaktiven Abfall. Ansteigender Bedarf und die Suche nach neuen Produktionsstätten könnte Bergbaukonzerne nach Grönland führen, wo sich eine der weltweit größten Lagerungsstätten Seltener Erden befindet. Inwieweit in Grönland höchstmögliche Umweltauflagen eingeführt werden, die negative Auswirkungen auf ein fragiles und einzigartiges Ökosystem verhindern, ist heute noch unklar.

Kupfer ist in jedem Laptop zu finden, spielt eine große Rolle für erneuerbare Energien, wie der Windkraft, und sieht sich dementsprechend einem steigendem Bedarf gegenüber. Laut Umweltbundesamt sind die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen für Bergbauarbeiter/innen und lokale Bevölkerung im Hauptkupferproduktionsland Chile sehr stark. Dabei wäre der Rohstoff zu 100 Prozent wiederverwertbar. Auf den ersten Blick erscheint der Anteil sekundären Kupfers in Deutschland mit 42 Prozent (2014 BGR) recht passabel. Allerdings hat sich laut BGR seit 2001 der Anteil von damals über 50 Prozent stetig verringert. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es kaum Bemühungen von staatlicher Seite gibt die Recyclingrate zu erhöhen.

Einem wachsenden Bedarf sieht sich auch Platin gegenüber. Das wertvolle Metall wird in elektronischen Anwendungen wie Festplatten verarbeitet. Über 70 Prozent des geförderten Platins kommen aus Südafrika. 2012 wurden dort bei einem Streik über 30 Bergbauarbeiter niedergeschossen. Weder die zuständige Bergbaufirma Lonmin Plc, noch deren Hauptkunde BASF haben seitdem Verantwortung für die Vorfälle übernommen. Schadensausgleich für die Hinterbliebenen und eine Verbesserung der Lebensumstände für die Arbeiter/innen, die größtenteils in Wellblechhüten ohne fließendes Wasser und Strom leben, gibt es noch immer nicht.

Lithium wird für Akkus von Laptops und Handys gebraucht sowie für Batterien von Elektro- und Hybridfahrzeugen. In Chile hat der Lithiumabbau zur Verschmutzung von Wasserressourcen geführt, die als Trinkwasser, für Viehzucht und Ackerbau dienen. Der Abbau bedroht so die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung. Die derzeitige Elektromobilitätsstrategie der Bundesregierung, die Automobilindustrie unkritisch zu fördern, ist daher abzulehnen.

Zinn ist durch seine Nutzung für Weichlote in Elektronikanwendungen für die deutsche Industrie von großer Bedeutung. Es gilt als Konfliktmineral, weil durch seinen Abbau in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo bewaffnete Konflikte gefördert werden. In Indonesien, dem nach China wichtigsten Zinnproduzenten, sind Kinderarbeit und tödliche Unfälle durch Hangrutsche keine Seltenheit. Zudem bedrohen weitflächige Waldrodungen, der hohe Flächenverbrauch, Gewässerkontamination und Bodendegradation die Ökosysteme in den Abbaugebieten.

Auch Tantal ist ein Konfliktmineral, welches im Zusammenhang mit der Finanzierung von bewaffneten Konflikten und inhumanen Bergbaukonditionen im Kongo steht. Das Mineral wird in Elektrolytkondensatoren in der Mikroelektronik, im Automobilbau und in der Unterhaltungselektronik, wie zum Beispiel Smartphones verarbeitet. Tantal ist sehr schwer rückzugewinnen. Dies trifft besonders auf die Anwendung in neuen Technologiefeldern wie Smartphones oder Wearable Technologies zu, die besonders klein sind, so dass die Materialien im Nanomaßstab gemischt werden. Dadurch lassen sich die Metalle nur schwerlich wieder voneinander trennen. Bis jetzt gibt es für die Firmen wenig Anreiz die Produkte so zu gestalten, dass diese leichter zu recyceln oder zu reparieren wären, um einen längeren Lebenszyklus zu erhalten.

Germanium ist neben Molybdän, Tellur oder Selen ein Beispiel für ein Hochtechnologieelement. Für die Industrie 4.0 ist es von unmittelbarer Bedeutung, da es ein unverzichtbarer Bestandteil von Glasfaserkabeln ist, die im Breitbandausbau benötigt werden. Deutschland ist mit 20 bis 25 Prozent einer der größten globalen Verbraucher. Es wird größtenteils als Nebenprodukt bei der Zinkerz-Aufbereitung gewonnen, daher sind Problematiken des Zinkabbaus und –schmelzen, wie die Verschmutzung der Umwelt durch Kadmium, auch direkt mit Germanium verbunden. Der Großteil des verbrauchten Germaniums wird in der Inneren Mongolei (China) produziert. Dort bringt der Abbau Umweltbelastungen mit sich, aus denen zum Teil soziale Spannungen zwischen den geschädigten Bürger/innen und den verschmutzenden Betrieben entstehen. Zudem schätzt das Fraunhofer Institut Germanium bei steigendem Bedarf als Kritisches Mineral ein und prognostiziert Versorgungsengpässe bis 2030.

Ausblick

In dem von Wirtschaftsverbänden und Wirtschaftsministerium dominierten Diskurs um Industrie 4.0 werden rohstoffintensive Prozesse verschwiegen. Ein Zuwachs an Effizienz allein wird nicht zu einer absoluten Reduktion des Rohstoffverbrauches führen. Vor dem Hintergrund, dass der Abbau von Rohstoffen mit großen ökologischen Risiken und oft katastrophalen Folgen für lokale Bevölkerungen verbunden ist, sind hierfür sind Debatten, Maßnahmen und Ziele dringend erforderlich.

Um Deutschlands Mitverantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in Abbauländern im globalen Süden gerecht zu werden, müssen deutsche Unternehmen Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette übernehmen. Sie müssen daher zur Einhaltung von Sorgfaltspflichten gegenüber Menschenrechten verbindlich verpflichtet werden. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf Konfliktmineralien. Um überprüfen zu können, ob die Sorgfaltspflichten eingehalten werden, bedarf es einem Höchstmaß an Transparenz entlang der Lieferkette. Tatsächlich mögen sich in diesem Bereich durch Industrie 4.0 sogar Chancen für mehr zivilgesellschaftliche Kontrolle ergeben. Eine Studie des ZVEI prognostiziert nämlich, dass Unternehmen ihre Lieferketten durch erhöhte unternehmensübergreifende Digitalisierung besser nachvollziehen könnten. Eine Offenlegung von Lieferketten und Zahlungsflüssen kann allerdings nur durch eine konsequente Politik durchgesetzt werden, die Unternehmen im Rohstoffsektor sowie Finanzdienstleister und Investoren dazu gesetzlich verpflichtet.

Aufgrund des wohl steigenden Energieverbrauchs von Industrie 4.0, ist zu beachten, dass der Ausstieg aus Nutzung und Gewinnung fossiler Energieträger erforderlich ist. Ein wichtiger Beitrag dazu wäre ein Kohleausstiegsgesetz, um schrittweise die Braun- und Steinkohleverstromung einzustellen.

Zudem brauchen Länder des globalen Südens Entwicklungsperspektiven. Das Ziel von Industrie 4.0 ist Deutschland und Europa einen klaren Wettbewerbsvorteil durch eine hochtechnologisierte Industrie zu verschaffen. In dieser Vorstellung bleiben die Länder des globalen Südens reine Rohstofflieferanten. Eine Stärkung ihrer Industrien durch Digitalisierung ist nicht vorgesehen. Um den weiteren wirtschaftlichen und sozialen Abstand zwischen Nord und Süd nicht weiter zu befördern, müssen stattdessen, desto mehr Industrie 4.0 hier Realität wird, Technologietransfers in den globalen Süden vorgenommen werden.

 

Katja George studiert Agrarökonomik an der Humboldt- Universität zu Berlin. Seit April 2016 absolviert sie ein Praktikum bei PowerShift e.V.

 

Zum Weiterlesen

BDI: Die digitale Transformation der Industrie

BMWI: Industrie 4.0 und Digitale Wirtschaft

Bitkom: Industrie 4.0 –wie Sensoren, Big Data und 3D-Druck die Produktion und die Arbeit in der Fabrik verändern

European Commission: Digitising European Industry

FAZ: „Das beste Fachwissen kann heute nachgeahmt werden“

Greenpeace: Clicking Green – A Guide for Building the Green Internet

Plattform Industrie 4.0: Was ist Industrie 4.0?

pwc: Industry 4.0 – Opportunities and Challenges of the Industrial Internet

SAP: The CEO Perspective – Internet of Things for Mining and Metals

SPD: Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion Industrie 4.0 gestalten

VDI Nachrichten: Die Entkopplung von Verbrauch und Wachstum lässt auf sich warten

Wired Business: The Internet of Things could drown our environment in gadgets

Nachrichten

Spezial: EU-Regulierung zu Konfliktmineralien

 

World Economic Forum: Why Europe needs to regulate the trade in minerals

“The deadly trade in conflict resources is facilitated by supply chains that feed major consumer markets, such as the European Union and the United States, with cash flowing back the other way. […] In March, the European Commission proposed a plan under which disclosure would continue to be voluntary, meaning that the minerals that enter the EU would not be subject to mandatory checks. […] The proposal is now being reviewed by the European Parliament and the European Council. It is crucial that both institutions seize this opportunity to strengthen the EU’s response by making disclosure and compliance mandatory and extending coverage to include finished and semi-finished products.”

BME: CE-Kennzeichnung für Konfliktmineralien wäre sinnvoll

„Freiwilligkeit nützt nichts. Wir befinden uns im Zentrum der Lieferkette und hätten Vorgaben unserer Kunden zu erfüllen. Es hieße also, nur von zertifizierten Unternehmen Rohstoffe zu kaufen. Besser wäre eine klare Gesetzgebung, die genau regelt, wo eingekauft und wie der Rohstoff in Umlauf gebracht werden darf.“

BME: Konfliktmineralien sorgen weiter für Zündstoff

„BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Christoph Feldmann gibt zu bedenken, dass „der Nachweis über die Herkunft der oft nur in kleinsten Mengen vorhandenen Mineralien sehr schwierig ist, vor allem wenn Zulieferer beteiligt sind. Egal, welche Regelung sich am Ende durchsetzt, sie sollte auf jeden Fall für die Wirtschaft, und hier insbesondere für den Einkauf, praktikabel und effizient sein.“

Die Welt: Zwischen den Fronten

“Das Problem: Viele dieser Rohstoffe werden weltweit in Konfliktregionen, vor allem in Afrika, abgebaut und mit dem Erlös unter anderem Bürgerkriege finanziert. […] Dennoch sehe der “DIHK einen verpflichtenden Ansatz entlang der gesamten Lieferkette sehr kritisch und unterstützt den Vorschlag der EU-Kommission”. Vor allem der Verwaltungsaufwand “einer neuen EU-Berichtspflicht entlang der gesamten Lieferkette bedeutet für den Mittelstand hierzulande eine signifikante Mehrbelastung.”“

Borderlex: Get ready for the coming EU ‘conflict minerals’ regulation

“Although the finer points of the EU’s proposed conflict minerals law remain subject to Member State review, its entry into force is only a matter of time, and responsible businesses must rapidly gear up to ensure compliance with its provisions. Companies that have learnt the lessons from the initial roll-out of the Dodd-Frank reporting process may have a head start; however, the adoption of the right risk management programmes is going to be absolutely critical to meeting the EU’s conflict mineral due diligence obligations.”

Business and Human Rights Centre: Conflict minerals: Europe must finally take responsibility

“At the moment all stakeholders are struggling towards an agreement between the three bodies with the power to set such regulations.[…] Big hopes were pinned on this second trialogue meeting after a first round of negotiations in February 2016 had failed. However, even after intensive bilateral talks with 18 Member States, the Dutch Presidency failed to get a new negotiating mandate to bring to the bargaining table.”

CI Romero: Konfliktmineralien: Knapp 42.000 Menschen fordern verbindliche EU-Verordnung

„VertreterInnen von Europaparlament, EU-Kommission und der niederländischen Ratspräsidentschaft treffen sich am 5. April im Rahmen des formellen Trilogs in Brüssel zu Verhandlungen über die neue EU-Konfliktmineralien-Verordnung. Vor dem Treffen überreicht das Bündnis „Stop Mad Mining“ knapp 42.000 Unterschriften der Petition „Stoppt den tödlichen Handel mit Konfliktmineralien“. Darin fordern die UnterzeichnerInnen eine verbindliche EU-Verordnung, die die Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Sorgfaltspflichten nach Vorbild von OECD-Standards zu erfüllen.“

Deutscher Bundestag: Mehr Kontrolle bei Konfliktmineralien

„Der Afrikabeauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Günter Nooke, hat die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene und auf Druck des Europäischen Parlaments überarbeitete Verordnung zur verpflichtenden Zertifizierung sogenannter Konfliktmineralien als einen “guten, tragfähigen Kompromiss” bezeichnet. Die Nachverfolgbarkeit der Lieferketten müsse soweit wie möglich vorangetrieben werden.“

ecdpm: Debunking myths on due diligence in mineral trade

“A question often raised is about how to involve the private sector to contribute to the 2030 Agenda. The example of the due diligence for companies in the mineral sector shows that managing and dealing with risks can be a business opportunity. As part of it, collaborating with CSOs provides often necessary knowledge and networks.”

Bloomberg Technology: Apple Says Supply Chain Now 100% Audited for Conflict Minerals

“The iPhone maker has been working since 2010 to remove minerals connected to these groups from its supply chain, and while it isn’t yet declaring its products totally conflict-free, the company said all of its 242 smelters and refiners of tin, tantalum, tungsten and gold are now subject to third-party audits. […] “There is a lot more work to do,” said Leah Butler, program director of the Conflict-Free Sourcing Initiative, which conducts supply chain audits for Apple and other companies”.“

Mining.com: Apple got $40 million in gold from recycled iPhones last year

„Ever since Apple launched its 18-karat gold case watch, speculation about the technology giant and its interest in acquiring large amounts of the precious metal has mounted. In its annual environmental report, Apple shed some light on the situation […]. The document shows the IT firm got hold of over 61 million pounds of steel, aluminum, glass, and other materials, including 2,204 pounds of gold.“

Guardian: Edinburgh University breaks new ground by opposing conflict minerals

„Edinburgh University is to cut the use of so-called conflict minerals in goods it buys, with a promise to search out alternatives if a product has raw materials directly linked to wars in the developing world. […] “One of our main aims is to raise awareness among our staff and students. But over time we also want to think about how our academics can conduct research and shine a light on this issue”.“

Guardian: Fairphone: one smartphone company’s search for conflict-free gold

“Fairphone no longer uses gold from DRC but is continuing to work with human rights groups to secure a supply chain and is also looking at using recycled gold for future production. The company was torn on this decision, believing that supporting the local economy in the DRC is important. It says if companies withdrew from the region altogether, it would lead to abandoning mines and cause local populations to seek revenues elsewhere, sometimes resulting in activities that stimulate conflict.“

Guardian: Can a business ever source responsibly from a war zone?

“Investment and trade can be good for conflict-affected regions, they can help a country climb out of violence and insecurity and move towards becoming a valid and functioning state. Yet conflict environments are places where governments are often fragile, where businesses are often the only vehicles attached to the rule of law. This is a great responsibility.”

Guardian: Whether it’s Mexico’s gold or Zimbabwe’s diamonds, mining is riven with violence and business is complicit

“The minerals trade is prolonging violence in Central African Republic, Mexico and Myanmar.[…] When companies work together to make their supply chains more transparent they can ask questions and identify warning signs that might warrant further investigation and action. […] When companies and governments behave responsibly, the minerals trade can bring jobs and investment.”

Südostschweiz: Banden bauen in Südamerika Gold ab

„Südamerikas Verbrechersyndikate haben das Gold für sich entdeckt. Angesichts des entschlossenen Vorgehens vieler Staaten gegen den Drogenschmuggel betätigen sie sich immer mehr im illegalen Bergbau. 80 Prozent des Goldes in Kolumbien würden mittlerweile illegal geschürft.“

SOMO: Community rights widely abused by cobalt mining in Democratic Republic of Congo

“Serious human rights violations and environmental pollution are happening in Democratic Republic of Congo as a result of cobalt mining, including water pollution and forced evictions. SOMO’s research shows that these problems are structural. Cobalt is used in rechargeable batteries for smart phones and laptops, and SOMO is calling on electronics companies to take responsibility for the way cobalt in their supply chain is mined.”

Deutsche Rohstoffpolitik

 

Süddeutsche: Es geht eben nur mit Regeln

„Mittlerweile gibt es bereits über 140 konfliktfreie Minen, bei denen Firmen bedenkenlos einkaufen können. Betroffene Technologiekonzerne wie Intel und Philips äußerten sich positiv über das Verfahren. Die Kosten dafür erwiesen sich übrigens als wesentlich geringer als ursprünglich von der Wirtschaftslobby befürchtet. Im Schnitt liegen diese bei gerade einmal 0,01 Prozent des Jahresumsatzes – gleichermaßen für große und kleine Unternehmen. Das sollte jeder Firma die Einhaltung von Menschenrechten und die Vermeidung von Negativschlagzeilen wert sein. Die US-Regelung führte dazu, dass sich EU und China dem Thema Konfliktrohstoffe widmeten. Eine ähnliche Vorbildfunktion könnte ein ambitionierter Aktionsplan aus Deutschland für Unternehmen und Menschenrechte entfalten.“

Deutscher Bundestag: 18 Mrd. Exportförderung für Kohle

„Die Bundesregierung hat seit dem Jahre 2005 Projekte der Stahlindustrie sowie des Eisenerz- und Kohleabbaus mit Exportkreditgarantien in Höhe von zusammen 18,1 Milliarden Euro gefördert.“

AGA-Portal: Garantien für ungebundene Finanzkredite (UFK)

Im Jahr 2015 waren die Rohstoffmärkte durch fallende Preise gekennzeichnet. Dies führte zu Verzögerungen bei der Realisierung zahlreicher rohstoffvorhaben. Auch Projekte, die eine Einbindung einer UFK-garantie vorsahen, waren hiervon betroffen, sodass der Bund in 2015 lediglich eine UFK-Garantie in Höhe von 96 Mio. Euro übernommen hat. Das Obligo lag Ende 2015 bei 4,8 Mrd. Euro.

BMWI: Eröffnung einer Zweigstelle der AHK Südafrika in Sambia ebnet Weg für vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit

„Im Beisein der sambischen Handelsministerin Mwanakatwe wird heute die Zweigstelle der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK Südafrika) in Sambia eröffnet. […] Der neue Standort Sambia ist ein Staat mit marktwirtschaftlicher Ausrichtung und stabilen Rahmenbedingungen. Das Land ist reich an Rohstoffen, vor allem an Kupfer, Kobalt und Nickel.“

Süddeutsche: Wir ökologisch ist ein Elektroauto

„Zur Herstellung von Elektroautos werden seltene Stoffe wie Gallium, Kobalt und Lithium benötigt. Die Ressourcen dafür sind aber stark begrenzt. E-Autos sind nur dann klimafreundlich, wenn der Strom nicht mehr aus Kohlekraftwerken stammt.“

Berliner Zeitung: Erhöhte Krebsraten in Niedersachsen Ärzte-Initiative drängt Ministerium zum Handeln

„Dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) zufolge sind in den Jahren 2003 bis 2012 41 Männer aus Bothel an Blut- und Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Damit, so die Medizinstatistiker, sei die Zahl deutlich erhöht. […] Zwar wird von Naturschützern die Erdgasförderung in der Gegend für das erhöhte Krebsaufkommen verantwortlich gemacht – belegt und bewiesen ist aber bislang nichts. Um Rotenburg wird seit Jahrzehnten Gas und Öl aus der Erde geholt.“

Süddeutsche: Raubbau in der Tiefsee

„Am Meeresgrund liefert sich Deutschland einen Wettlauf um die wertvollsten Ressourcen. Ein Forschungsprojekt zeigt: Der Mensch kann in der Tiefsee ungeahnte Schäden anrichten.“

Deutsche Unternehmen / Verbände

 

Zeit: BASF- Der Platinkomplex

„Die Wohnverhältnisse der Arbeiter von Marikana hat BASF nicht in den Blick genommen. Vorstandsvorsitzender Bock erläutert folgerichtig, dass es für BASF keinen Grund gebe, die Geschäftsbeziehung zu Lonmin “abzubrechen”. Der Ende 2015 ausgelaufene Liefervertrag wurde verlängert.“

BDI: Deutschland setzt Zeichen für Transparenz im Rohstoffsektor

„Im Rahmen der 7. Weltkonferenz der Initiative für Transparenz im Rohstoffsektor – „EITI“ – in Lima, Peru wurde Deutschland vom internationalen EITI-Vorstand als 51. EITI-Mitgliedsland aufgenommen.  Der BDI hat die deutsche Kandidatur aktiv unterstützt, um durch den Beitritt Deutschlands sowohl die internationalen Bemühungen für mehr Transparenz im Rohstoffsektor zu stärken als auch die Bedeutung der heimischen Rohstoffgewinnung für das Industrieland Deutschland herauszustellen.“

BDI: Deutsch-Brasilianische Bergbaukonferenz: Deutsche Industrie erschließt brasilianische Potenziale

„Im September 2015 wurde das Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe an der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer eröffnet. […] Das Ziel des Kompetenzzentrums ist es, die Rohstoffstrategie der Bundesregierung zu unterstützen. Diese sieht eine nachhaltige Versorgung der deutschen Wirtschaft mit (nicht-energetischen) Rohstoffen vor.“

Europäische Rohstoffpolitik

 

EU observer: EU beats new path on corporate responsibility

“A new European Union law enters into force at the end of the year requiring over 6,000 large, EU public-interest entities (listed companies, banks, insurance undertakings and other companies designated by member states) to report annually on the human rights, environmental and social impacts and risks linked to their operations, products and services – throughout their supply and subcontracting chains.”

European Coalition for Corporate Justice: French Duty of Care law- despite business pressure, an important step towards final adoption

„the French National Assembly adopted in second reading the legislative proposal on parent company duty of care (devoir de vigilance).[…] By embedding this obligation to develop vigilance plans – plans to ensure due diligence throughout companies’ operations – the law would make certain that large French companies are responsible for their impacts, in France and in their value chain.“

BDI: Expertennetzwerk zu kritischen Rohstoffen: Mehr Durchblick im Rohstoff-Dschungel

„Rohstoffmärkte sind von hohen Unwägbarkeiten, politischen Risiken und starken Preisschwankungen geprägt. […] Die niederländische Regierung setzt sich daher im Rahmen ihrer EU-Ratspräsidentschaft für ein besseres Informationsangebot auf EU-Ebene ein. Dieses soll europäischen Unternehmen die Sicherung des Rohstoffbezugs erleichtern, indem umfangreiche Informationen zur Versorgungslage und -risiken kompakt dargestellt und Ausweichstrategien aufgezeigt werden.“

BDI: Drei Fragen an Gerhard Endemann, WV Stahl

„Die Abfallgesetzgebung der Europäischen Union soll reformiert werden, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Ziel ist es, die Verfügbarkeit, Nutzung und Wiederverwertung wertvoller Rohstoffe zu verbessern. Gerhard Endemann, Leiter Politik des Wirtschaftsverbands Stahl: […] „Es besteht die Möglichkeit, dass damit eine bessere Verfügbarkeit wertvoller Sekundärrohstoffe und weitere Impulse zur effizienten Nutzung und auch Einsparung von Ressourcen einhergehen.““

Business Europe: EU Foreign Economic Diplomacy

“The economic dimension should be an integral part of the EU global strategy. The EU should define a long term economic vision that has Trade Policy- including market access for goods, services and resources and modern and effective rules- as the central pillar and aims at retaining world leadership in trade and investment.”

Borderlex: EU African EPAs in limbo

“The EU’s Economic Partnership Agreements – or EPAs – with sub-Saharan countries inked a few years ago are not getting off the ground as African governments don’t like their EU-inspired rules on raw materials policies. African countries are also currently prioritising continent-wide regional integration.”

Panama Papers: The DRC’s Gold Standard

„Despite international laws stipulating disclosure of the origins of gold, a tranche of leaked documents points to unsavoury behaviour by tax havens trading in commodities. […] Leaked data from Mossack Fonseca, a Panama-based offshore fiduciary agent […] show that secrecy has become the rule for corporate trade and that where secrecy is allowed to govern, the process of differentiating the legal from the illicit becomes impossible.“

Guardian: BHP-owned companies triggered ‘high risk’ alert at Panama law firm

“The Anglo-Australian mining giant BHP Billiton authorised two of its companies in the British Virgin Islands to receive large amounts of money, sparking a “high risk” warning at the Panamanian law firm Mossack Fonseca, new documents reveal. […] Multinationals often use offshore entities in countries such as the BVI to minimise their tax bills.”

Mining: Slow growth, production cuts, divestment expected for Europe mining sector

“Europe’s mineral production growth will slow as low mineral prices drive further consolidation, production cuts and divestments among metals producers, according to BMI Research’s latest report.”

Spektrum: Lohnt sich Fracking in Europa?

„Obwohl bereits seit Jahren Versuchsbohrungen laufen, gibt es bislang keine kommerziellen Schiefergasquellen in Europa. Das Schieferpotenzial der Region ist bislang unzureichend erforscht, die bisherigen Ergebnisse sind eher enttäuschend, so Geologen und Energiefachleute. Es bleibt hochgradig unsicher, wie viel Gas sich mit den heutigen Technologien aus den Lagerstätten fördern ließe. Noch schwieriger ist es vorherzusagen, wie viel sich rentabel fördern ließe.“

Spiegel. Bergbau im Weltraum: Wer wird Billionär?

„Noch ist eine Rohstoffförderung im Weltall viel zu teuer, um sich zu rechnen. Das könnte sich ändern: Asteroiden sind vergleichsweise reich an wertvollen Metallen wie Gold, Platin oder Rhodium. […] Luxemburg bringt sich gerade als Basis für Weltraum-Rohstoffsucher in Stellung. Wirtschaftsminister Etienne Schneider verkündete Anfang Februar, sei Land wolle einen Rechtsrahmen schaffen, der “Rechte auf Ressourcen wie etwa seltene Mineralien von Asteroiden absichert, die von privaten Unternehmen im Weltraum abgebaut werden”.“

Sonstiges

Daily Maverick: Goodbye Bazooka: Wild Coast anti-mining activist killed

“Those who knew Sikhosiphi ‘Bazooka’ Rhadebe describe him as a man of principle. […] His friends and comrades say Rhadebe’s principles cost him his life. Over the last decade, community members on Pondoland’s Wild Coast have resisted attempts from Australian-owned mining company MRC and its local subsidiary TEM to access its titanium-rich Xolobeni coastal dunes.”

Amnesty International: Urgent Action – Morddrohungen

„Im kolumbianischen Departamento de Cauca werden zahlreiche afro-kolumbianische Aktivist_innen bedroht, weil sie sich gegen illegale Bergbauaktivitäten wehren und den Schutz ihrer territorialen Rechte fordern.”

Human Rights in ASEAN: Cambodia: Complaint submitted to UN Special Rapporteur against persecution of human rights defenders opposing dam and mining projects in Koh Kong province

„The charges and conviction against the four are clearly linked to their activism for defense of environmental rights and the rights of indigenous peoples in Areng Valley of Koh Kong province. Their activities have been mainly in opposition to Stung Cheay Areng Dam planned for construction in the valley by Chinese state-owned company Sinohydro and other destructive projects in the province such as sand mining”

Guardian: Peruvian farmer wins David-and-Goliath battle against US mining giant

“In a David-and-Goliath battle, community activists have, so far, succeeded in seeing off the creation of a $5bn (£3.8bn) open-caste mine next to a pristine lake. At the centre of that battle is Máxima Acuña de Chaupe, a 47 year-old subsistence farmer who owns an 60-acre plot of land precisely where Newmont’s local joint-venture, Yanacocha, wants to dig. […] Credit must also be given to the network of national and international campaign groups that have mobilised in support of her cause over recent years.”

TAZ: Quecksilberverschmutzung in Peru – Notstand wegen Wahlkampf

„Die peruanische Regierung hat wegen einer Quecksilberverschmutzung den Notstand über elf Bezirke in der Amazonasregion von Madre de Dios verhängt. Anlass ist ein Bericht des Instituts für Zivilverteidigung, Indeci. Darin heißt es, „Luft, Wasser, Sedimente und Fische“ in dem 85.000 Quadratkilometer umfassenden Gebiet seien als Folge „der unsachgemäßen Praktiken des illegalen und informellen Bergbaus bei der Goldgewinnung durch das Waschen von Schwemmsand“ verseucht.“

Guardian: World’s poorest countries rocked by commodity slump and strong dollar

„The collapse in global commodity prices and a stronger US dollar have depleted the public coffers of some of the world’s poorest countries and will leave them as much as $61bn (£43bn) worse off this year, a report has warned.“

TAZ: Sparkurs im Kongo – 84 Euro pro Einwohner

„Die Wirtschaftskrise, die zahlreiche Rohstoffexporteure Afrikas erfasst hat, trifft jetzt die Demokratische Republik Kongo besonders hart. […]Die Staatsausgaben im Etat 2016, ohnehin mit umgerechnet rund 8 Milliarden Euro für ein 75 Millionen Einwohner zählendes Land sehr niedrig, sollen um 22 Prozent auf rund 6,3 Milliarden Euro sinken.“

Heinrich Böll Stiftung: Burma’s rocky path to democracy – the role of natural resources

“Much of Myanmar’s natural resource wealth is located in ethnic areas. There are deep-rooted ethnic grievances, many of which related to the – justified – claim that past military governments have plundered what is perceived as the minorities’ own resources.”

Guardian: How South America’s lithium triangle is gearing up to feed our battery addiction

“Lithium, the so-called “white petroleum”, drives much of the modern world. […] Over half of the earth’s identified resources of the mineral are found in South America’s “lithium triangle” […]. Until recently, that was not great news for investors. Argentina and Bolivia lacked predictability and a friendly business environment, while Chile kept strict control over lithium output. But that may be all about to change.”

Global Risk Insights: One man’s trash: The urban mining revolution

“More than 50 million tons of consumer electronics are thrown out each year, yet only 15% is recycled, the rest ends up in landfills or scrapyards. The recycling rate is even worse for rare earth elements, which see less than 1% of current production recycled. […] Urban mining of e-waste offers many benefits. Firstly, urban mining and recycling operations use only 10% of the energy required by traditional mining. Secondly, the deposits which are being mined in urban mining operations are far richer and purer than any traditional mining operation.”

CBC Radio: Mining Science

„The Ok Tedi copper mine in Papua New Guinea is at the centre of one of the worst environmental disasters in the world. Tailings from the mine have polluted the Ok Tedi River, and devastated a huge area of previously pristine and virgin jungle. People in the tribes who live along that river will never be the same.”

Publikationen

Alyansa Tigil Mina: Signing away sovereignty- How investment agreements threaten regulation of the mining industry in the Philippines

Christliche Initiative Romero: DiebStahl – Wie die Stahlindustrie sich aus der Verantwortung stiehlt

GKKE: Deutsche Rohstoffpolitik und Politikkohärenz für Entwicklung

Global Initiative against Transnational Organized Crime: Organized Crime and Illegally Mined Gold in Latin America

Heinrich Böll Stiftung: Kritik der grünen Ökonomie

Inter-American Commission on Human Rights: Indigenous Peoples, Afro-Descendent Communities, and Natural Resources: Human Rights Protection in the Context of Extraction, Exploitation, and Development Activities

Mining Watch Canada: Mining, corporate social responsibility and Conflict: OceanaGold and the Eldorado Foundation in El Salvador

Mining Watch Canada et al.: Post-Mount Polley Tailings Dam Safety in Transboundary British Columbia

Misereor: Wenn nur die Kohle zählt

Oxfam: Gender and the extractive industries: putting gender on the corporate agenda

PowerShift / Rosa Luxemburg Stiftung: Alles für uns!? – Der globale Einfluss der europäischen Handels- und Investitionspolitik auf Rohstoffausbeutung

PowerShift: Verhandelt und verkauft – Der Einfluss der Handels- und Investitionspolitik auf Energiewende und Klimaschutz

Ressourcenkommission am Umweltbundesamt: Ein ressourceneffizientes Europa – Ein Programm für Klima, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung

Rosa Luxemburg Stiftung: Auf dem Weg zu globalen Unternehmensregeln

Society for Threatened People: Dealings in illegal gold:  Swiss, US and Italian refineries under suspicion

World Bank: Precautionary Management of Deep Sea Mining Potential in Pacific Island Countries

WRM and RE:Common: Rio Tinto’s biodiversity offset in Madagascar: Double landgrap in the name of biodiversity?

Termine

 

08.06.16 (Berlin): Fachgespräch zur Präsentation der BGR-Studie: “Human Rights Risks in Mining. A Baseline Study (2016)”

08.06.16 (Berlin): World Oceans Day 2016: Neue Herausforderungen für den internationalen Meeresschutz und eine gerechte maritime Entwicklungspolitik

29.06.16 (Berlin): Nutzung statt Entsorgung – Die Circular Economy als Schlüssel für nachhaltiges Wirtschaften?

01.-2.07.16 (Berlin): Rohstoffe – Politik – Menschenrechte

04.07.16 (Berlin): DERA-Veranstaltung „Rohstoffe für Zukunftstechnologien“

05.07.16 (Berlin): 5. BDI-Rohstoffkongress „Rohstoffsicherung 4.0“

04.-06.07.16 (Ulan Bator, Mongolei): 11th Asia-Europe People’s Forum

09.-10.9.16 (Goslar): Crashkurs Rohstoffpolitik

29.-30.09.16 (Bukarest, Rumänien): Multiplier Seminar „EU Raw Materials Policies and Resource Justice“

09.-10.11.16 (Berlin): European Resources Forum

Impressum

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AK Rohstoffe ist ein Netzwerk von deutschen Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Seit 2008 trifft sich der AK Rohstoffe regelmäßig und diskutiert negative Auswirkungen des (metallischen und nichtmetallischen) Rohstoffabbaus in den Ländern des globalen Südens und Nordens sowie die politischen Trends, die diese bedingen. Seit dem 1. Mai 2013 existiert ein Koordinationsbüro in Berlin.

Herausgeber: Michael Reckordt; Kontakt: michael.reckordt@power-shift.de; 030 42805479

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