AK Rohstoffe – Newsletter / September 2014 # 06

Liebe Leser/innen,

Herzlich Willkommen zur 6. Ausgabe des Newsletters des AK Rohstoffe. Mehr als Zweidrittel der Fläche der Erde ist mit Ozeanen bedeckt, auf dessen Grund und darunter zum Teil große Ressourcenvorkommen lagern. Kein Wunder, dass die Politik und Industrie diese Schätze ins Visier nimmt. Die Auswirkungen der Gewinnung sind in vielen Fällen noch nicht erforscht, können aber für Tier- und Pflanzenwelt der Meere sowie für den Menschen gravierende Auswirkungen haben. Der Schwerpunktartikel von Claudia Härterich zum maritimen Bergbau gibt einen aktuellen Überblick.

Darüber hinaus haben wir weitere spannende Artikel gesammelt und freuen uns immer auf Hinweise zu Publikationen aus der Zivilgesellschaft oder Veranstaltungsmitteilungen. Vom 24. bis 25. Oktober veranstalten wir zudem wieder den beliebten Crashkurs „Rohstoffpolitik und Ressourcengerechtigkeit“, für den Sie sich noch bis zum 30. September bewerben können.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Reckordt
(Koordination AK Rohstoffe)

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Fokus auf: Maritimer Bergbau

 Raubbau in der Tiefe?!

von Claudia Härterich

Blue Atlantis, MIDAS, ROV Kiel 6000 – diese Begriffe, die klingen als seien sie einem Science Fiction Roman entnommen, sind die Schlagworte der deutschen und europäischen Pläne zur Förderung von mineralischen Rohstoffen auf dem Grund der Weltmeere. Bereits 2016 könnten diese Pläne Realität werden. Denn in diesem Jahr wird die International Seabed Authority (ISA), die Verwalterin der Meeresböden der Tiefsee, erstmals darüber entscheiden, welche Staaten Förderlizenzen für den Rohstoffabbau in den internationalen Gewässern erhalten. Bis dahin hat sie noch viel zu tun, denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den marinen Bergbau müssen erst noch geschaffen werden. Von Februar bis Mai 2014 führte die Behörde zu diesem Zweck eine Konsultation durch, bei der am Tiefseebergbau interessierte staatliche und privatwirtschaftliche Akteure dazu aufgefordert waren Stellungnahmen zur Frage der Ausgestaltung dieses rechtlichen Rahmens abzugeben.

Deutschland gehört zu den führenden Staaten bei der Jagd nach den Ressourcen aus der Tiefsee und bemüht sich schon seit mehreren Jahren darum, sich den Zugang zu diesen Rohstoffen zu sichern. Seit 2006 verfügt die Bundesrepublik über eine Lizenz zur Erkundung von Manganknollen in der ClarionClippertonBruchzone im Pazifik. Die Bundesagentur für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) führt dort im Auftrag der Bundesregierung Explorationstätigkeiten durch. Mit dem Tauchroboter ROV Kiel 6000 werden die Manganknollenvorkommen am Meeresboden untersucht – vor allem in Hinblick auf ihre wirtschaftliche Nutzbarmachung. Seit 2011 ist die BGR zudem im Indischen Ozean aktiv, dort erforscht sie Metallsulfidvorkommen. Ende 2013 beantragte Deutschland bei der ISA für das betroffene Gebiet eine offizielle Explorationslizenz. Im Juli 2014 entschied die Behörde zugunsten des deutschen Antrags – sehr zur Freude des Koordinators der Bundesregierung für die Maritime Wirtschaft. Dieser erklärte anlässlich der erteilten Lizenz: „Für Deutschland ist der internationale Tiefseebergbau unter wirtschaftlichen Aspekten doppelt interessant: Erstens kann er zur Versorgungssicherheit Deutschlands mit Hochtechnologierohstoffen langfristig beitragen. Zweitens eröffnet er interessante Marktchancen für deutsche Hersteller von innovativer, umweltverträglicher Meerestechnologie.“(BMWi 2014).

Die Vertreter/innen des maritimen Wirtschaftssektors sind die treibende Kraft hinter den Bestrebungen der Bundesregierung in diesem Bereich. Unter den Akteuren aus diesem Industriezweig nimmt die Gesellschaft für maritime Technik (GMT) eine zentrale Rolle ein. Sie vertritt die Interessen deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der maritimen Technik gegenüber den politischen Entscheidungsträger/innen und setzt sich für eine politische Förderung der wirtschaftlichen Aktivitäten ihrer Mitglieder ein. Mit ihren Forderungen war sie bislang sehr erfolgreich. Im Jahr 2000 schuf die Bundesregierung das Amt des Koordinators für die maritime Wirtschaft, das beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) angesiedelt ist. Dessen zentrale Aufgabe ist die Ausrichtung der alle zwei Jahre stattfindenden Nationalen Maritimen Konferenz der Bundesregierung. Dort diskutieren Vertreter/innen aus dem maritimen Wirtschaftssektor und Mitglieder der Bundes- und Landesbehörden die zukünftige Entwicklung und Ausgestaltung der maritimen Wirtschaft. Die dort von Seiten der Industrie an die Politik gestellt Forderungen wurden bisher zum allergrößten Teil von der Bundesregierung aufgenommen und umgesetzt.

Wichtige Weichen für die aktuellen Aktivitäten auf dem Gebiet des Tiefseebergbaus wurden bereits durch einen Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2002 gestellt, welcher vorsieht die weltweiten Märkte für Meerestechnik zu erschließen. Auf dieser Grundlage hat es sich die Bundesregierung seither zum Ziel gesetzt, den maritimen Wirtschaftssektor Deutschlands in seinem Vorhaben zu unterstützen sich zum internationalen Marktführer in diesem Bereich zu entwickeln. Dieses Bestreben der deutschen Politik mündete in dem 2011 veröffentlichten Nationalen Masterplan Maritime Technologien, der Deutschland als führenden Hochtechnologie-Standort für maritime Technologien im internationalen Wettbewerb etablieren möchte. Das Strategiepapier definiert die dafür notwendigen Maßnahmen und bildet die Grundlage des weiteren politischen Vorgehens. Es identifiziert den Bereich der maritimen Technologien als einen Sektor, der durch Innovationen das deutsche Wirtschaftswachstum tragen kann und der hochwertige Arbeitsplätze in einem Zukunftsmarkt von großer strategischer Bedeutung schafft. Als zentrale Maßnahmen werden die Entwicklung eines Leuchtturmprojekts zu marinen mineralischen Rohstoffen, der Abschluss von bilateralen Kooperationen im Bereich mineralische Rohstoffe und der Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft marine mineralische Rohstoffe (AMR) – bestehend aus den wichtigsten deutschen Akteuren aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung – definiert. Die Verantwortung für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft wird GMT, VDMA und BGR übergeben. Vor diesem Hintergrund erfolgte im April 2014 die Gründung der DeepSea Mining Alliance[1]. Der Verein soll als gemeinsame Plattform eine abgestimmte Interessenvertretung gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und ein effektives und konsortiales Auftreten in nationalen und internationalen Projekten unterstützen (DeepSea Mining Alliance 2014). Zu seinen wesentlichen Zielen gehören die Anbahnung von kommerziellen, technologischen und Forschungsprojekten sowie eine bessere Koordinierung aller nationalen und internationalen Aktivitäten für die Erkundung und Gewinnung mariner mineralischer Rohstoffe (DeepSea Mining Alliance 2014). Mit der Schaffung der DeepSea Mining Alliance erreicht das Vorhaben, der deutschen maritimen Wirtschaft einen Spitzenplatz im internationalen Wettbewerb zu ermöglichen einen neuen Grad der Koordination.

Das BMWi veranstaltete seit 2011 mehrere Workshops und Strategietagungen für Vertreter/innen des maritimen Wirtschaftssektors, unter anderem im Januar 2014 zum Thema “Potenziale des Tiefseebergbaus“. Dort kamen die Teilnehmer/innen darin überein, dass Deutschland nicht im Alleingang den Tiefseebergbau vorantreiben könne, sondern als Teil eines europäischen oder internationalen Konsortiums agieren müsse. Die Wirtschaftsvertreter/innen forderten, dass mit aktiver politischer Flankierung und massiver finanzieller Unterstützung ein nationales Pilotprojekt im Kontext eines internationalen Gesamtprojektes durchgeführt werden solle und dass gezieltes Marketing eingesetzt werden müsse, um der Skepsis der Bevölkerung gegenüber dem Tiefseebergbau zu begegnen (Projektträger Jülich 2014). Außerdem ist die Einrichtung eines ressort-übergreifenden Förderschwerpunktes für marine, mineralische Rohstoffe angedacht, an dem BMWi, BMBF und BMU beteiligt sein sollen.

Während sich die deutschen Unternehmen mit inhaltlich und finanzieller Unterstützung von BMWi und BMBF auf die Weiterentwicklung der Ausrüstung und Technologien für den Tiefseebergbau fokussieren, erklärte die Bundesregierung im Juni 2014 in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken, dass ein deutscher Tiefseebergbau derzeit nicht geplant sei. Es gäbe keine Bestrebungen, den Aufbau eines deutschen Bergbauunternehmens zur Erschließung von Tiefseeressourcen finanziell oder strukturell zu unterstützen (Bundesregierung 2014: 8). Auf die Frage, welche Bedeutung die Bundesregierung der Förderung von Tiefseeressourcen für die europäische Rohstoffpolitik mittel- und langfristig beimesse, antwortete diese, dass marine mineralische Rohstoffe als Ergänzung zu landgebundenen Vorkommen zu sehen seien, die zu einer Diversifizierung des Rohstoffbezugs und somit zur Sicherung der Rohstoffversorgung beitragen können (Bundesregierung 2014: 3).

Während sich die Politik in der Öffentlichkeit eher vorsichtig zum Thema Tiefseebergbau äußert, treiben die GMT und andere Vertreter/innen des deutschen maritimen Wirtschaftssektors auch auf europäischer Ebene ihre Pläne weiter voran. Dort stoßen ihre Anliegen            ebenfalls auf offene Ohren. Bereits 2007 wies das EU Generaldirektorat für Forschung und Innovationen auf die zukünftige Bedeutung von mineralischen Rohstoffen aus dem Meer hin und empfahl die Entwicklung einer europäischen Strategie für den Tiefseebergbau (Europäische Kommission 2007). Im Herbst 2012 veröffentlichte die Kommission ihr Strategiepapier Blue Growth – opportunities for marine and maritime sustainable growth. Es bildet die Grundlage ihrer Initiative zur Erschließung der ungenutzten Potenziale der Meere mit dem Ziel einer Stärkung des Wirtschaftswachstums und der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Marine mineralische Rohstoffe spielen in der Blue Growth Strategie eine wichtige Rolle. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die EU die europäischen Unternehmen im internationalen Wettbewerb unterstützen kann um sicherzustellen, dass diese erfolgreich an den damit verbundenen ökonomischen Aktivitäten partizipieren. Als dafür notwendig wird der Zugang der Unternehmen zu einer sicheren Finanzierung identifiziert sowie das Ergreifen politischer Maßnahmen, um zu verhindern, dass die europäischen Firmen von anderen Wettbewerbern aus dem Markt gedrängt werden. Als weitere unterstützende Maßnahme wird vorgeschlagen, auf europäischer Ebene Forschungsvorhaben in dem Bereich Tiefseebergbau anzustoßen und zu fördern (Europäische Kommission 2012: 10). Ende 2013 begann mit MIDAS ein solches Forschungsprojekt. In dem 2016 endenden Projektzeitraum untersuchen Wissenschaftler/innen die Auswirkungen der Extraktion von mineralischen und energetischen Rohstoffen aus der Tiefsee. Dabei fokussieren sie nicht nur auf Manganknollen, Massivsulfide und kobaltreichen Eisenmangankrusten, sondern ebenfalls auf mögliche Potenziale der Gewinnung von Seltenerdelementen aus dem Meer. Darüber hinaus beginnt im Jahr 2015 das durch das BMBF angeregte dreijährige JPIOcean-Forschungsprojekt „Ecological aspects of deep-sea mining“ (Bundesregierung 2014: 10). Außerdem hat eine Gruppe bestehend aus 45 Unternehmen und Forschungsinstituten – 17 von ihnen aus Deutschland – unter der Führung der Gesellschaft für Maritime Technik (GMT) im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft Rohstoffe das Projekt Blue Atlantis eingebracht (Details zu Blue Atlantis finden sich hier). Es sieht die Schaffung der weltweit ersten Tiefseebergbau-Versuchsanlage vor, die in den portugiesischen Hoheitsgewässern im Atlantik – nahe der Inselgruppe der Azoren – entstehen soll. Dort liegen vier bekannte Gebiete in denen es größere Ansammlungen sogenannter Schwarzer Raucher – die Quelle der begehrten Massivsulfide – gibt. Laut Projektbeschreibung gehen die Unternehmen davon aus, dort darüber hinaus auch Manganknollen und Kobaltkrusten vorzufinden. Neben der Konstruktion des Unterwassertestbergwerks soll im Rahmen von Blue Atlantis eine Studie zu den Voraussetzungen eines großflächig angelegten Tiefseebergbaus entstehen. Das erklärte Gesamtziel ist es, das europäische Know-how für die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Tiefseebergbau zu festigen. Projektbeginn ist 2015.

Parallel zu diesen bereits sehr stark auf eine wirtschaftliche Verwertbarkeit ausgerichteten Aktivitäten, hielt die EU Kommission im Zeitraum März bis Juni 2014 eine öffentliche Konsultation zum Thema Meeresbodenbergbau ab. Dort konnten sich Behörden, Bürger/innen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen aus den Mitgliedsstaaten zu Fragen der Rohstoffgewinnung in der Tiefsee und den nationalen Küstengewässern äußern. Diese Beiträge sollen – so die federführende Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei – die Kommission bei der Entwicklung ihrer Position zu diesem Thema unterstützen. Angesichts der in der Konsultation gestellten Fragen sowie der oben beschriebenen Aktivitäten, darf dieses Argument jedoch bezweifelt werden. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass sich bereits eine klare Positionierung zugunsten des Tiefseebergbaus herauskristallisiert hat. So ist es den Teilnehmer/innen der Konsultation zwar möglich, Bergbauaktivitäten im Meer grundsätzlich abzulehnen, der Hauptteil der Fragen zielt jedoch darauf ab zu klären, welche Hindernisse der Erschließung des Potenzials des Tiefseebergbaus im Wege stehen und wie diese beseitigt werden können (Fragebogen der Konsultation).

Neben dem Blickwinkel auf die Chancen, die sich der deutschen maritimen Wirtschaft durch den Tiefseebergbau bieten, werden von Seiten der verarbeitenden Industrie und der für Rohstoffpolitik zuständigen staatlichen Behörden überwiegend positive Erwartungen an die Nutzbarmachung der Ressourcen auf dem Meeresgrund geknüpft. Aus ihrer Perspektive stellt der Rohstoffabbau im Meer eine mögliche Lösung für die von der Bundesregierung gewünschte Verringerung der deutschen Importabhängigkeit im Bereich zahlreicher mineralischer Rohstoffe dar. In ihrer 2010 veröffentlichten Rohstoffstrategie identifiziert sie die Diversifizierung der Rohstoffquellen für die deutsche Wirtschaft als eine zentrale Herausforderung. Sie benennt in diesem Zusammenhang explizit die Rohstoffgewinnung in Tiefseeregionen als eine Maßnahme um dieses Ziel zu erreichen. Letzten Endes geht es in den Strategiepapier darum, sich die größtmögliche Kontrolle über den globalen Abbau der Rohstoffe zu sichern. Diese Sichtweise auf den Tiefseebergbau wird von einigen Forscher/innen geteilt und spiegelt sich in einem Zitat eines Mitarbeiters des GEOMAR – einer der bedeutendsten deutschen Einrichtungen auf dem Gebiet der Ozeanforschung – wider. Dieser beantwortete in einem im April 2014 im Spiegel veröffentlichen Interview die Frage nach den Risiken des Tiefseebergbaus mit der Gegenfrage: „Was ist besser? Erze aus Bürgerkriegsgebieten zu importieren oder die Rohstoffe selbst aus der Tiefsee zu fördern, mit modernster Technik und hohen Umweltstandards?“

Die mit dem Rohstoffabbau an Land verbundenen negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt als Rechtfertigung für eine zukünftige Erschließung und Förderung mineralischer Rohstoffe aus der Tiefsee heranzuziehen, ist jedoch höchst fragwürdig. Die Hintergrundannahmen dieser Argumentation greifen zu kurz, um der Realität der weltweiten Gewinnung mineralischer Rohstoffe und ihrer Folgen gerecht zu werden. Zwar ist der Hinweis auf die Schäden, die weltweit – nicht nur in Bürgerkriegsgebieten – durch Bergbaukonzerne verursacht werden berechtigt, doch die hier vorgenommene Gegenüberstellung suggeriert fälschlicher Weise, alternativ dazu mineralische Rohstoffe aus der Tiefsee zu beziehen, würde die seit vielen Jahren bekannten und dennoch bislang nicht überwundenen Probleme lösen oder zumindest zukünftig vermeiden. Anstatt sich mit diesen bereits an Land vorhandenen negativen Auswirkungen der Rohstoffförderung und den damit verbundenen Konflikten auseinanderzusetzen und diese in den Griff zu bekommen, wird versucht, sich neuen Gebieten zuzuwenden. Dies gleicht einer Flucht aus der Verantwortung und wirft die Frage auf, ob es sich dabei um den Versuch handelt, den Weg des kleinsten Widerstands zu gehen, indem man in schwer kontrollierbare und überschaubare Gegenden ausweicht anstatt sich einer Diskussion über die Grundproblematiken des hohen Rohstoffkonsums und des Abbaus mineralischer Rohstoffe zu stellen. Vertreter/innen der Zivilgesellschaft stehen dieser Vorgehensweise kritisch gegenüber. So forderte Francisco Marí von Brot für die Welt unlängst: “Die Gefahr, dass auf See dieselben Fehler wiederholt werden, die an Land zu Umwelt-, Klima- und Entwicklungskrise geführt haben, muss dringend abgewendet werden. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die globale und entwicklungspolitische Dimension der Meerespolitik.“. Im Mai 2014 veranstaltete ein breites Bündnis aus umwelt- und entwicklungspolitischen Organisationen in Bremen eine Konferenz zu den aktuellen Entwicklungen in der Meerespolitik. Dort wurde ein von 22 zivilgesellschaftlichen Gruppen unterzeichnetes Positionspapier verabschiedet, das ein internationales Moratorium für den Abbau von Erzen aus der Tiefsee fordert. Ein Sprecher des NABU sagte in diesem Zusammenhang, er halte den wirtschaftlichen Ausbau des Sektors Meer unter Anbetracht des derzeitigen schlechten Umweltzustands der Meere für äußerst fragwürdig: „Die EU-Initiativen den Tiefseebergbau voran zu treiben sind auf Grund mangelnden Wissens über die Tiefsee nicht mit dem Vorsorgeprinzip zu vereinbaren und somit bis auf weiteres zu stoppen.“ Greenpeace hatte bereits 2013 ein internationales Moratorium für den Rohstoffabbau in der Tiefsee gefordert und den Staaten vorgeworfen, die langfristige Nutzbarkeit der Meere kurzfristigen finanziellen Interessen zu opfern (Greenpeace 2013: 16). Unterstützung erhielten diese Forderungen kürzlich auch von Mining Watch Kanada und der australischen Deep Sea Mining Campaign (siehe Counterview 2014).

Denn auch beim Tiefseebergbau kann nicht ausgeschlossen werden, dass Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, sei es direkt durch Umweltschäden, die bei der Rohstoffförderung in den Küstengewässern die vom Meer lebende Bevölkerung beeinträchtigen, oder indirekt durch vergiftete Meeresflora und –fauna, die ihren Weg in die Nahrungskette der Menschen findet. Die Risiken, die mit einem potenziellen Abbau von Rohstoffen in großen Wassertiefen einhergehen sind immens, wie eine Gruppe von Forscher/innen aus Europa, Nordamerika und Australien in einem im Mai 2014 veröffentlichten Artikel in der Zeitschrift Science betont. Die Wissenschaftler/innen legen dar, dass die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls durch den die Umwelt geschädigt wird, mit zunehmender Wassertiefe deutlich zunimmt. Welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, angerichtete Schäden einzudämmen und diese unter Kontrolle zu bekommen, zeigt unter anderem die Deepwater Horizon Katastrophe, die sich 2010 im Golf von Mexico ereignete. Damals dauerte es mehrere Monate, bis es dem britischen Konzertn BP gelungen war, ein in 1500m Wassertiefe gelegenes Bohrloch zu schließen und so den Ölausfluss ins Meer zu stoppen. Es stellt sich daher die Frage, ob die interessierten Konzerne in der Lage sind, den Risiken bei der Ernte von Manganknollen, dem Abbau von Kobaltkrusten oder von Massivsulfiden in ähnlichen oder noch größeren Wassertiefen in angemessener Weise Rechnung zu tragen. Dass sich die Lebensräume am Meeresboden von dem Eingriff durch das Ernten von Manganknollen nur sehr langsam erholen zeigt eine Studie, die im World Ocean Review 2014 beschrieben wird. So wurde im DISCOL Projekt eine mehrere Quadratkilometer großer Bereich des Meeresbodens im Pazifik mit Versuchsgeräten umgepflügt und über mehrere Jahre hinweg immer wieder besucht. Dabei zeigte sich, dass es sieben Jahre dauerte, bis sich in den durchpflügten Gebieten wieder die gleiche Dichte an Bodenlebewesen eingestellt hatte wie zuvor. Einige Arten bleiben jedoch verschwunden (World Ocean Review 2014: 73). Welche Auswirkungen ein massiver und großflächiger Abbau von Massivsulfiden und Kobaltkrusten auf die Meeresflora und -fauna hat, ist bis heute unklar. Dennoch lassen Staaten und Konzerne nicht von ihrem Vorhaben ab, die Tiefsee für sich zu erobern.

Quellen

BMWi (2014): Weg frei für die weitere Erkundung von Rohstoffen in der Tiefsee. Presseerklärung vom 4. August 2014.

Bundesregierung (2014): Ökologische Auswirkungen des Tiefseebergbaus – Antwort der Bundes-regierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Herbert Behrens, Eva Bulling-Schröter, Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE Drucksache 18/1597.

Counterview (2014): High profile Indian NGO joins world counterparts, protests Govt of India, others‘ „deep interest“ in seabed mining.

DeepSea Mining Alliance (2014): Tiefseebergbau: Verein „DeepSea Mining Alliance“ am 9. April in Hamburg gegründet.Pressemitteilung, Hamburg, 14.04.2014.

EU Kommission (2012): Blue Growth – opportunities for marine and maritime sustainable growth. COM(2012) 494 final.

EU Kommission (2007): The Deep-Sea Frontier: Science challenges for a sustainable future.

Greenpeace (2013): Deep Seabed Mining – An urgent wake-up call to protect our oceans.

World Ocean Review (2014): Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken.

Abschlussdokument der Konferenz Ein anderes Meer ist möglich (2014): Ein anderes Meer ist möglich! Erklärung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zivilgesellschaftlichen Konferenz zum Europäischen Tag des Meeres 2014.

DG Maritime Affairs and Fisheries (2014): Stakeholder consultation on seabed mining questionnaire.

Projektträger Jülich (2014): Kurzbericht des Workshops zu Potenzialen des Tiefseebergbaus im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

 

[1]              Zu seinen 17 Gründungsmitgliedern gehören BAUER Maschinen, Siem Offshore Contractors, Wärtsilä, die Reederei Harren & Partner, die IMS Ingenieurgesellschaft, die Klassifikationsgesellschaften DNV GL und Lloyd’s Register, die Meerestechnikunternehmen EvoLogics, MBT, Hydromod Service und Develogic sowie die RWTH Aachen und die TU Clausthal-Zellerfeld.

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Zum Weiterlesen zu Maritimer Bergbau

Der Tagesspiegel: Goldfieber am Meeresgrund

„Die Industrie […] hofft, beim Tiefseegeschäft mitmischen zu können – mit Unterstützung durch die Bundesregierung. Eine richtige Entscheidung angesichts der knappen Rohstoffe in Deutschland und wenn man in Betracht zieht, unter welchen Bedingungen bestimmte Metalle anderswo gewonnen werden, wie etwa Coltan im Kongo.“

Hamburger Abendblatt: Ihr Reichtum wird der Tiefsee zum Verhängnis

„Lorenzo Schiano di Pepe von der Universität Genua forderte, dass die Regeln der Europäischen Union für diesen Bereich auch für alle EU-Aktivitäten außerhalb der Gemeinschaft gelten müssen. Dieses Prinzip habe sich bereits in der Schifffahrt und im Luftverkehr bewährt, sagte der Professor für internationales Recht.“

Neues Deutschland: Tiefsee ohne Bergbau – Alternativer Meereskongress fordert besseren Schutz der Ozeane

„»Stop seabed mining. Please.« – Ebenso nachdrücklich wie emotional appellierte Maureen Penjueli vom »Pacific Network on Globalisation« an die Teilnehmer der zivilgesellschaftlichen Meereskonferenz […] Die Schlussresolution des Kongresses beinhaltet »ein internationales Moratorium für den Abbau von Erzen aus der Tiefsee« – ohne Wenn und Aber.“

Deep Sea Mining Campaigning: The newest assaults on the world’s oceans deep seabed mining

“It is imperative that we have an understanding about impacts before exploration or exploitation of deep sea mineral resources is permitted. That is why we are calling for an international moratorium on all deep seabed mining until marine park areas are established to protect deep sea ecosystems and risks are assessed and analysed.”

The New Zealand Herald: Deep water fracking the next oil frontier

„It’s the most challenging, harshest environment that we’ll be working in,“ said Ron Dusterhoft, an engineer at Halliburton, the world’s largest fracker. „You just can’t afford hiccups.“

Deutschlandfunk: Tiefseebergbau, Umweltschützer warnen vor Gefahren für Tier- und Pflanzenwelt

„Wenn man einen Seeberg von seinen kobalthaltigen Ablagerungen befreit, zerstört man auch automatisch die in Hunderten von Jahren gewachsenen Strukturen dieser Riffe und ihrer Bewohner. Den größten Konflikt sehe ich dort, wo das zu schützende Naturgut – zum Beispiel ein heißes Tiefseequellengebiet oder ein Seeberg – unmittelbar das Objekt der Begierde des Tiefseebergbaus sind.“

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Nachrichten

Deutsche Rohstoffpolitik

BMWi: Bundesregierung stärkt Rohstofftransparenz

„Staatssekretär Beckmeyer: „Die Einführung des international erfolgreichen EITI-Modells bietet neue Chancen für mehr Transparenz und Dialog im deutschen Rohstoffsektor. Zusammen mit der deutschen Wirtschaft und der Zivilgesellschaft wollen wir in den nächsten Monaten die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kandidatur als EITI-Mitglied schaffen.““

Das Gutachten zur Vorbereitung findet sich hier.

Bundestag: Rohstoffberatung mit Fokus Afrika

„Deutschland unterstützt nach Aussage der Bundesregierung maßgeblich das auf dem G8-Gipfel in Lough Erne in Nordirland 2013 beschlossene Projekt CONNEX zur Beratung von Entwicklungsländern bei der Aushandlung von Verträgen. Zu Beginn des Projektes solle der Fokus in Afrika und bei Rohstoffverträgen liegen.“

Deutschlandradio: Bärbel Höhn warnt vor „Verbotsdebatte“

„Bärbel Höhn, die ehemalige Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen, weist daraufhin, dass Klimawandel und Energiewende schon schwierig an die Bürger/innen zu vermitteln sei, Ressourcen-Effizienz allerdings noch komplizierter und nimmt dabei auch Bezug auf die sogenannte Verbots-Debatte im Grünen-Bundestagswahlkampf 2013.“

Land Sachsen: 8. Sächsischer Rohstofftag – Teilnehmer fordern mehr öffentliche Akzeptanz für die Rohstoffwirtschaft

„Staatsminister Morlok betont den Zusammenhang zwischen Bergbau, Wachstum und Wohlstand und wirbt für eine breitere Akzeptanz für Bergbauvorhaben in Deutschland.“

CDU-Fraktion BW: Bildungs- und nachhaltige Rohstoffpolitik im Fokus!

„Wir brauchen unsere heimischen Rohstoffe und müssen sie im Interesse der Nachhaltigkeit auch in Zukunft abbauen können“, betonte CDU-Fraktionschef Peter Hauk MdL bei einem Vor-Ort-Termin im Kieswerk Kern.“

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Rohstoffpartnerschaften

BMWi: Rohstoffpartnerschaft mit Peru abgeschlossen

„“Mit der Rohstoffpartnerschaft wollen wir Peru bei der Bewältigung seiner Herausforderungen unterstützen. Die Einhaltung von Menschenrechten, der Schutz der indigenen Bevölkerung und die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialstandards sind wesentliche Elemente des Abkommens. Zugleich bietet die Zusammenarbeit Chancen für die nachhaltige Rohstoffsicherung Deutschlands.“ – Bundesaußenminister Steinmeier“

Neues Deutschland: Neuer Vertrag über Rohstoffpartnerschaft

„Am 14.7.2014 wurde während des Petersberger Klimadialogs in Berlin die Rohstoffpartnerschaft zwischen Peru und Deutschland feierlich unterzeichnet. Allerdings könnten sich Konflikte durch den Bergbau verschärfen.“

Portal Amerika21: Proteste in Berlin gegen Perus Umweltpolitik

„“In ihrer jetzigen Form sind diese ‚Partnerschaften‘ nicht dazu in der Lage, auf die Herausforderungen eines insgesamt zu hohen Rohstoffkonsums und einer menschenrechtlich und umweltrechtlich problematischen Rohstoffgewinnung angemessen zu reagieren“, heißt es in einer Erklärung des Arbeitskreises Rohstoffe.“

Nachhaltigkeitsrat: Ringen um nachhaltige Rohstoffförderung

„Peru gehört zu den zwölf wichtigsten Rohstofflieferanten Deutschlands. Doch der Abbau von Gold und Industriemetallen belastet Bevölkerung und Umwelt in dem Schwellenland schwer. Die Bundesrepublik heize den Raubbau mit ihrer jüngst unterzeichneten neuen Rohstoffpartnerschaft noch an, sagen Kritiker.“

Germany Trade & Invest: Peru bringt Investitionen im Gas- und Bergbausektor voran

„Perus Rohstoffreichtum lockt internationale Firmen ins Land. Die gerade in Auftrag gegebene Megapipeline Gasoducto Sur Peruano (GSP) zieht weitere Vorhaben nach sich. Auch deutsche Firmen setzen verstärkt auf diese Sparte.“

Deutschlandfunk: Umstrittener Kupferabbau in Peru

„Deutschland plant eine Rohstoffpartnerschaft mit Peru. Allerdings geschieht der Rohstoffabbau in Peru häufig auf Kosten von Umwelt und Menschen. Den Hamburger Weltkonzern Aurubis hat das dazu veranlasst, sich mehr für seine Lieferanten zu interessieren.“

Junge Welt: Run auf Rohstoffe

„Auf Grund der wachsenden Konkurrenz um die globalen Bodenschätze, beschloss die Bundesregierung die Gründung sogenannter Rohstoffpartnerschaften. Der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert seit 2004 staatliche Unterstützung bei der Sicherung industrieller Ressourcen.“

Saarbrücker Zeitung: Steinmeiers Charmeoffensive in der Mongolei

„Beim Besuch der Kanzlerin vor drei Jahren wurde bereits auf dem Papier eine „Rohstoffpartnerschaft“ gegründet, aus der bislang aber nicht viel geworden ist. Deutschland liefert zwar Ausrüstung für den Bergbau und Maschinen im Wert von über 160 Millionen Euro im Jahr. Was im Gegenzug kommt, ist nur neun Millionen Euro wert und besteht vor allem aus Kamelhaardecken.“

Hanns-Seidel Stiftung: Bergbau in der Mongolei

„Die Mongolei – ein dünn besiedeltes und unterentwickeltes Nomadenland – steht nun am entscheidenden Wendepunkt seiner Entwicklung und hat in den kommenden Jahren die Chance, sich in ein Industrieland zu verändern.“

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Deutsche Unternehmen / Verbände

BDI: Fokus Sicherheit und Rohstoffe

„Der BDI legt besonderes Augenmerk auf die Versorgungssicherheit für deutsche Unternehmen. Auch die Chancen des Tiefseebergbaus und Weiterentwicklung im Bereich Recycling werden hervorgehoben. Der BDI widerspricht Vorwürfen von NGOs, Menschenrechte und Umweltprobleme zu missachten.“

Klimaretter: Grillo will fracken

„Fracking nach Schiefergas solle endlich getestet werden, sagte Ulrich Grillo, Chef des BDI, „und zwar in einem von Wissenschaft und Öffentlichkeit eng begleiteten Pilotprojekt“.“

Deutschlandfunk: Lösungsvorschläge für eine global gerechtere Rohstoffpolitik

„Gute Kontakte und Zugang zu bezahlbaren Rohstoffen sind für die Rüstungsindustrie wesentliche Faktoren, um erfolgreich produzieren und verkaufen zu können. Wie sich das aus Sicht betroffener, rohstoffreicher Entwicklungsländer darstellt, besprechen umwelt- und entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen in Berlin.“

WAZ: Millionenstrafe gegen Bergbau-Kartell trifft auch Thyssen

„Wegen Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt ein Bußgeld von insgesamt 17,4 Millionen Euro gegen fünf Unternehmen verhängt, die Spezialaufträge im Bergbau bearbeiten, darunter Thyssen Schachtbau aus Mülheim. BBM Operta, ebenfalls in Mülheim ansässig, blieb als Kronzeugin ungestraft.“

ZDF: Das Märchen vom umweltfreundlichen Auto. Die Folgen des Rohstoffabbaus

„Die ZDF-Sendung planet e. begibt sich auf Spurensuche in Südamerika und zeigt auf, welche Schäden der Bergbau für die deutsche Automobilindustrie in Peru und Brasilien hinterlässt.“

Handelsblatt: Eon will Gasimport mit Bundeshilfen erhöhen

„Eon verhandelt mit neuen Partner aus Ostafrika, Südamerika und dem Mittelmeer-Raum über mögliche Gaslieferungen, damit Deutschland unabhängiger von russischen Importen wird.“

Portal Amerika21: Skandal um Siemens-Geschäftspartner in Mexiko

„In Mexiko haben massive Umweltverschmutzungen durch den Bergbaukonzern Grupo México erneut zu einer Debatte über die Branche geführt. Das größte Bergbauunternehmen Mexikos und der drittgrößte Kupferproduzent der Welt hatte kürzlich eine der größten akuten Umweltkatastrophen des Landes verursacht.“

Blickpunkt: Blutige Kohle

„Massaker, gezielte Morde, Vertreibungen: Rohstoffkonzerne sollen in Kolumbien jahrelang an Verbrechen beteiligt gewesen sein. Auch deutsche Energieunternehmen wie E.ON, RWE, EnBW oder Vattenfall werden mit ihrer Kohle beliefert.“

Taz: Kohle aus Kolumbien

„Schwere Vorwürfe gegen Rohstoffhändler Glencore Xstrata: Lieferanten von kolumbianischer Kohle sollen jahrelang mit Paramilitärs kooperiert haben.“

Süddeutsche Zeitung: Dunkle Energie aus Kolumbien – Umstrittene RWE-Geschäfte

„Nachdem RWE auf Grund von Vorwürfen massiver Menschenrechtsverletzungen durch seinen US-Kohlelieferanten Drummond, denselben als Geschäftspartner gestrichen hat, prüft die Geschäftsleitung nun eine Wiederaufnahme der Beziehungen, obwohl die Vorwürfe nach wie vor bestehen.“

Greenpeace: Umweltproblem Kaffeekapsel

„Die Deutschen leeren jedes Jahr rund zwei Milliarden Kaffeekapseln, was 4000 Tonnen Abfall entspricht. Jetzt eröffnet Nestlé ein neues Kapsel-Werk in Schwerin.“

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Europäische Rohstoffpolitik

Der Tagesspiegel: Konfliktrohstoffe – Können wir so weitermachen wie bisher?

„Ohne Rohstoffe wie Coltan funktioniert kein modernes Handy. Häufig stammen die Bodenschätze aus Konfliktregionen. Wie sich Konsumenten verhalten können, diskutierten Fachleute und Politiker beim Tagesspiegel.“

HSFK: Vertane Chance

„Das Leipniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung zeigt in ihrem Bericht warum die EU-Regulierung zu Konfliktrohstoffen nicht freiwillig bleiben darf.“

The Guardian: Europe must do its bit to stop the trade in conflict minerals

“Our governments have a duty under European human rights law to ensure businesses do not cause or contribute to human rights abuses. So why promote a voluntary proposal when what we urgently need is regulation and enforcement? We need to let our leaders know that we understand the connection between the products we enjoy and the suffering of others.”

Wirtschaftswoche: Konfliktmineralien

„US-Firmen müssen Rechenschaft ablegen – ein bisschen. Doch nur 1.300 von geschätzt 6.000 börsennotierten Unternehmen, die unter das Gesetz fallen dürften, haben bislang Reports bei der zuständigen Aufsichtskommission SEC eingereicht.“

Zeit: Das Kongo-Dilemma

„Konzerne wie Apple und Intel versprechen, keine Rohstoffe mehr aus den wilden Minen des Kongo zu kaufen. Selbst wenn es ihnen gelingt: Wem ist damit geholfen?“

Reuters: Gold, diamonds feed Central African religions violence

“Thousands of people have died and more than a million fled their homes in Central African Republic amid the violence between the Muslim Seleka rebels and Christian militia.”

Huffington Post: Keine Energierohstoffe aus Terroristenhand für Deutschland und die EU

„In einem offenen Brief an Bundesminister Gabriel wird neben den Konfliktmineralgebieten Kongo, Nigeria, Sudan und Kolumbien auch auf Rohstoffquellen hingewiesen, die unter Kontrolle der IS-Terroristen im Irak und Syrien sind. Der Einkauf von dort geförderten Rohstoffen finanziere die Ausweitung der IS-Gebiete.“

Epoch Times: EU-Kommission will Ressourceneffizienz deutlich steigern

„Die EU-Staaten sollen ihre Rohstoffe künftig erheblich sparsamer einsetzen: Um von der Wegwerfgesellschaft wegzukommen, will die EU-Kommission die Ressourceneffizienz bis 2030 um fast ein Drittel im Vergleich zu 2005 steigern.“

Deutsch-Türkisches Journal: Alternative zu Russland: Die Türkei als Kernstück für Europas Energieversorgung

„Durch die kriegerischen Zustände in der Ukraine und im Nahen Osten könnte auf die Türkei eine neue Rolle zukommen: die eines zentralen Energieumschlagplatzes.“

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Fracking

Klimaretter: „Fracking lenkt total ab“

„Verseucht die Erdgas- und Erdölförderung Mensch und Umwelt? Immer mehr Proben deuten auf eine Belastung mit Quecksilber und Benzol im Umkreis deutscher Förderstätten hin. Am Freitag protestieren Bürgerinitiativen mit kontaminierten Wasser- und Bodenproben vor dem Bundesrat. Sie sprechen von Krebsgefahr und sogar von Todesfällen.“

Forum civique: Wir retten Rosia Montana

„Nach fünfzehn Jahren Kampf gegen Europas größten geplanten Goldtagebau in Rumänien scheint ein Sieg greifbar – die endgültige Entscheidung aber steht noch aus.“

Taz: Warnung vor Fracking-Folgen

„Bierbrauer und Mineralwasserhersteller warnen vor zu großen Risiken bei der gesetzlichen Regelung der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten. „Es wäre völlig unverständlich, sollten die Brunnen von Lebensmittel- und Getränkeherstellern in dem geplanten Gesetz weniger Schutz genießen als Trinkwasserbrunnen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.“

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Sonstiges

Neues Deutschland: Der Raubbau beginnt heute

„Der Erdüberlastungstag war mit dem 19. August so früh wie noch nie zuvor. „Nimmt man die Reproduktionsfähigkeit der Erde zum Maßstab, dann dürfte die Menschheit in den restlichen Tagen dieses Jahres keine natürlichen Ressourcen mehr verbrauchen, keine Treibhausgase mehr emittieren und keinen Müll mehr produzieren.““

Tageswoche: Erklärung von Bern fordert unabhängiges Aufsichtsorgan für Rohstoffgiganten

„In der Schweiz tätige Rohstofffirmen sollen sich einer umfassenden Regulierung unterstellen müssen. Das fordert die Erklärung von Bern (EvB) und plädiert für die Einsetzung einer unabhängigen Rohstoffmarktaufsicht (ROHMA).“

The Guardian: World Bank email leaks reveal internal row over ‘light touch’ $50bn leans.

“Leaked emails show more money could be made available for ‘damaging’ power and mining projects.”

Greenpeace: Exposed: Coal mining at the source of China’s Yellow River

“An investigation by Greenpeace China has revealed opencast coal mining is taking place on a remote alpine plateau in the foothills of China’s Qilian mountains.”

Blickpunkt Lateinamerika: Illegale Goldminen ersetzen Drogenanbau

„Illegale Goldminen ersetzen Drogenanbau in Kolumbien und dienen dabei als Geldwäscheplatz für das organisierte Verbrechen, kosten Menschenleben und verursachen irreparable Umweltschäden.“

CIO: Dunkle Machenschaften in der Recyclingkette

„Ein Großteil der in Europa ‚recycelten‘ Elektroabfälle landen durch Schmugglernetzwerke in Afrika. Auf den dortigen Müllkippen arbeiten häufig Kinder, der Müll erzeugt Umweltvergiftung und die dadurch verschwendeten Rohstoffe sind ein wirtschaftlicher Schaden.“

Mineweb: Sweeping ‘responsible mining’ standards outlined

“IRMA released a draft Standard for Responsible Mining, which includes a proposed set of principles to improve social and environmental performance “and is the result of eight years of collaboration between groups who have historically been at odds.””

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Publikationen

Misereor und Brot für die Welt: Unternehmen zur Verantwortung ziehen Erfahrungen aus transnationalen Menschenrechtsklagen

Misereor, Brot für die Welt und GPF: Corporate influence through the G8 New Alliance for Food Security and Nutrition in Africa

International Peace Information Service: Supply Chains and Transport Corridors in East Africa

Wuppertal Institut (2014): Eight Tons of Material Footprint—Suggestion for a Resource Cap for Household Consumption in Finland

Misereor, Brot für die Welt und GPF: New Working Paper: Corporate Influence on the Business and Human Rights Agenda of the UN

BUND: Der BUND-Abschaltplan: Laufzeitbegrenzung für die ältesten Braunkohleblöcke bis 2020

PAX Christi: PAX Netherlands issues report on “The Dark Side of Coal”

Termine

11.09.2014 Vortrag (Berlin): Rohstoffabbau in Entwicklungsländern und seine Folgen (HNF)

12.09.2014 Fahrradtour (Berlin): Eine (stadt-)entwicklungspolitische Fahrradtour.

15.09.2014 Dialog-Konferenz (Berlin): Legal Remedies for Resource Equity – Ressourcengerechtigkeit mit rechtlichen Mitteln (Unabhängiges Institut für Umweltfragen)

22.-23.09.2014 Konferenz (Berlin): Technik und Protest – zwischen Innovation, Akzeptanzmanagement und Kontrolle (Institut für Protest- und Bewegungsforschung)

10.-12.10.2014 Tagung (Mailand): Asia-Europe People’s Forum

24.-25.10.2014 Crashkurs (Bochum): Crashkurs „Rohstoffpolitik und Ressourcengerechtigkeit“ (PowerShift)

04.11.2014 Konferenz (Berlin): Viele Hürden, wenig Haftung. Wie können Opfer von Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen ihre Rechte in Deutschland einklagen? (CorA)

10.-11.11.2014 Konferenz (Berlin): European Resources Forum (BMU)

24.11.2014 Vortrag (Wiesbaden): Rohstoffe: Fairer Abbau statt Raubbau (attac Wiesbaden)

26.11.2014 Tagung (Berlin): Transparenzgipfel zu D-EITI (BMWi)

 

Impressum
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AK Rohstoffe ist ein Netzwerk von deutschen Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen. Seit 2008 trifft sich der AK Rohstoffe regelmäßig und diskutiert negative Auswirkungen des (metallischen und nichtmetallischen) Rohstoffabbaus in den Ländern des globalen Südens und Nordens sowie die politischen Trends, die diese bedingen. Seit dem 1. Mai 2013 existiert ein Koordinationsbüro in Berlin.
Herausgeber: Michael Reckordt; Kontakt: michael.reckordt@power-shift.de; 030 42805479
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