„Regelung zu Konfliktmineralien greift zu kurz – deutsche Unternehmen aus dem Schneider“

Berlin/Brüssel , 16.06.2016 — Sarah Lincoln, Referentin für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte bei Brot für die Welt, kommentiert die heute veröffentlichte Einigung von EU-Parlament, Kommission und Ministerrat auf verbindliche Regeln für Konfliktmineralien:

„Brot für die Welt begrüßt, dass sich EU-Parlament, Kommission und Ministerrat auf verbindliche Regeln für Konfliktmineralien geeinigt haben. Die jetzt vereinbarte Regelung greift aber viel zu kurz, denn sie umfasst nur einen Teil der Wertschöpfungskette. Sie regelt lediglich den Bereich von der Mine zur Schmelze, sowie den Import unverarbeiteter Rohstoffe aus Konfliktgebieten. Betroffen sind davon lediglich ein paar hundert europäische Unternehmen. Für die Hersteller von Autos, Smartphones oder anderen Elektronikartikeln bleibt die Regelung ohne Konsequenzen, da sie die Rohstoffe in verarbeiteter Form importieren. Gerade hier brauchen wir jedoch verbindliche und nachprüfbare Regelungen, denn hier wird mit Mineralien wie Zinn oder Gold das Geld gemacht, mit dem Konflikte finanziert werden.

In den USA gibt es bereits seit mehreren Jahren eine solche Regelung, wonach auch diejenigen Unternehmen, die diese Produkte herstellen und auf den Markt bringen, die Herkunft der Rohstoffe nachweisen müssen. Dass Unternehmen eine Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette haben, bekräftigt die Bundesregierung auch im derzeitigen Entwurf des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte, der diesen Monat veröffentlicht werden soll. Die EU-Regelung wäre eine Chance gewesen, den Worten auch Taten folgen zu lassen und die Unternehmen verbindlich in die Pflicht zu nehmen. Stattdessen hat auch Deutschland sich auf EU-Ebene für eine Regelung eingesetzt, die nur die Schmelzen und Importeure umfasst. Deutsche Unternehmen sind damit weitestgehend aus dem Schneider.“

Studie zu Wertschöpfungsketten

Die Studie „Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen“ von Brot für die Welt zeigt an den Beispielen Fleisch, Kleidung und Autos, wie sich globale Wertschöpfungsketten auf die Lebenschancen von Millionen Menschen auswirken: hier und die interaktive Weltkarte zur Studie unter

Kontakt:
Renate Vacker, Pressesprecherin Brot für die Welt, Tel.: 030 65211 1833,
mobil: 0174 302 0158, E-Mail: renate.vacker@brot-fuer-die-welt.de

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