Schmutzige Geschäfte: Deutsche Investitionen im Bergbausektor

Der Brite Roger Moody, der unter anderem die sehr informative Website „From Money To Metal“ betreut, hat in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung eine Publikation zu deutschen Investitionen im Bergbausektor veröffentlicht. Das als E-Paper online zur Verfügung stehende Dokument (auf Deutsch und auf Englisch) informiert über die Rolle deutscher Finanzinstitutionen bei der Erschließung von Rohstoffen, die hauptsächlich im außereuropäischen Ausland stattfindet, und setzt diese Akitivitäten in Bezug zu sozialen und ökologischen Folgen. Die Heinrich-Böll-Stiftung schreibt dazu: „Untersucht werden deutsche Bankdarlehen und Fremdfinanzierungen für Bergbaugesellschaften, die damit verbundene Ausgabe von Unternehmensanleihen und Wandelanleihen sowie die direkte Kapitalbeteiligung (Aktien und Wertpapiere) bei Bergbauausrüstungen durch deutsche Banken, Börsenmakler und andere. Aufgezeigt werden auch die damit verbundenen finanziellen, ökologischen und sozialen Risiken.“

Interessant darin sind u.a. seine Einschätzung der Rohstoffstrategie der deutschen Bundesregierung, über die er schreibt: „Das deutsche Beschaffungsprogramm für Rohstoffe geht von unzutreffenden Zahlen und zweifelhaften Annahmen aus und bezieht die neuesten Veränderungen in der weltweiten Bergbauindustrie nicht mit ein“ (S. 10).

Seine Schlussfolgerungen lauten daher (S. 44):

„Nachhaltige Entwicklung scheint nicht wirklich das Ziel der deutschen Rohstoffpolitik zu sein. Sie legt den Hauptakzent auf den Erwerb von Rohstoffen zu den niedrigsten Marktpreisen, was lediglich eine aktualisierte Version jenes vom Kolonialismus angetriebenen „Sturmlaufs auf die Ressourcen“ ist, der im gesamten 20. Jahrhundert so viele Länder verwüstet und verschandelt hat.

Die Entscheidung, Kupfer von Sambia (mal angenommen) zu kaufen statt von Chile, metallurgische Kohle aus der Mongolei und nicht aus Mozambique und Seltene Erden aus Grönland statt aus Kasachstan, kann man nicht einfach nur auf Basis der prognostizierten technischen Kosten für Abbau, Transport und Verarbeitung dieser Güter treffen.

Die sozialen und ökologischen Kosten werden viel höher sein, das zeigt sich fast täglich an irgendeinem Ort auf der Welt. Die deutschen Regierungsinstitutionen haben diese Kosten nirgendwo auch nur annähernd korrekt eingeschätzt – weder im Länderüberblick noch bezogen auf die jeweiligen Minerale.

Das Gegengift liegt jedoch nicht so sehr in der Reform dieser Institutionen (obwohl eine solche sicher notwendig ist).

Es braucht einen neuen, radikalen und multidimensionalen Blick auf die Folgen dieses Rohstoffabbaus für die Menschen und für die Ökologie. Die Wiederverwendung und das Recycling teilweise verbrauchter Metalle müssen daher zweifellos einen viel größeren Stellenwert bekommen als bisher.

Was aber wirklich Not tut – wenn wir eine „grüne“ Ökonomie weltweit haben wollen – ist der Verzicht auf die Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen, die ipso facto dieses Ziel untergraben.

Ein solches Vorhaben muss auf der Ebene der Konflikte mit lokalen Gemeinschaften beginnen. Und die vielfach verletzten Rechte auf nachhaltige Lebensgrundlagen für Millionen der Ärmsten dieser Welt berücksichtigen, die das Land, das Wasser und andere Ressourcen brauchen, die es auf rohstoffreichen Territorien gibt. Bei dem Versuch, die schlimmsten Missbräuche bei bestimmten Mineralen zu stoppen (wie „Blutdiamanten“ und „Konfliktminerale“ aus Teilen Afrikas), ist eine Landkarte der Lieferketten bei den Mineralen ein vielversprechender erster Schritt.

Bislang wird nirgendwo genug getan. Viele Regionen der Welt werden noch lange in andere Arten von Konflikte verwickelt bleiben. Die gegenwärtigen Strategeme helfen wenig oder gar nicht, um das Verhalten der Mehrzahl der Bergbaugesellschaften vor Ort und die Bereitschaft der Banker, sie zu unterstützen, zu ändern.“

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