Wir brauchen eine nachhaltige Rohstoffpolitik

Wir brauchen eine nachhaltige Rohstoffpolitik

Erst-Veröffentlichung auf: NABU-Blogs

Sechs Tonnen pro Kopf. So viele Rohstoffe dürfte jeder Mensch laut UN-Wissenschaftlern rund um den Globus innerhalb eines Jahres verbrauchen, ohne die natürlichen Reproduktionskräfte unserer  Erde zu überschreiten. Betrachten wir den durchschnittlichen Jahresverbrauch in Deutschland mit 40 Tonnen pro Jahr und Einwohner wird schnell deutlich: Produktion und Konsum hierzulande sind weder nachhaltig noch fair.

Andere Industrieländer schneiden nicht besser ab, der Rohstoffverbrauch für die Herstellung unserer Gebrauchsgüter und deren Verbrauch überschreitet deutlich das, was in einem Jahr ökologisch verträglich von der Erde gewonnen werden kann. Der Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day), der jedes Jahr den Zeitpunkt markiert, ab dem mehr Ressourcen – darunter Rohstoffe – verbraucht als regeneriert werden können, rutscht im Kalender stetig nach vorn. War er im Jahr 1990 noch Anfang Dezember, so fiel er dieses Jahr auf Anfang August. Umkehren wird sich dieser Trend ohne eine grundlegende Verhaltensänderung, weniger Rohstoffe zu verbrauchen, nicht: Bei anhaltendem Bevölkerungswachstum gehen die UN von einer  Verdoppelung des globalen  Rohstoffkonsums bis 2050 auf 140 Milliarden Tonnen aus.

Rohstoffkonsum zulasten der Umwelt und Bevölkerung in Abbauländern

Weil die in Deutschland ansässige Wirtschaft maßgeblich von Importen metallischer, mineralischer und fossiler Rohstoffe aus aller Welt abhängig ist, sind viele deutsche Unternehmen indirekt verantwortlich für negative Folgen des Rohstoffabbaus für Umwelt und die lokale Bevölkerung in den Abbaugebieten. Bei extraktiven Arbeiten kommt es immer wieder zur Missachtung von Menschenrechten und internationalen Standards, in die unter anderem deutsche Firmen nachweislich direkt oder indirekt verwickelt sind.

So importieren die großen in Deutschland ansässigen Energieerzeuger Steinkohle, für deren Abbau in Kolumbien Indigene ihr Land verlieren und Aktivisten ermordet werden, in den USA Bergspitzen weggesprengt und in Russland sowie Südafrika Flüsse und Grundwasser vergiftet wird. Auch für fortschrittlicher anmutende Technologien wie Motoren für Elektromobilität und Windkraft – teilweise durch die Bundesregierung gefördert – benötigen Hersteller Metalle, deren Abbau katastrophale Folgen hat: Wie die Beispiele aus chinesischen Neodym-Minen zeigen, finden sich in deren Umgebung häufig nicht nur schlimme Umweltverschmutzungen wie Boden- und Gewässerbelastungen durch teilweise sogar radioaktive Substanzen, sondern darüber hinaus deutlich erhöhte Krebsraten unter der ansässigen Bevölkerung. Der Chemiekonzern BASF wird durch seine Geschäftsbeziehungen zur Bergbaufirma Lonmin in Verbindung mit den tödlichen Schüssen auf streikende Arbeiter einer südafrikanischen Platinmine im Jahr 2012 gebracht.

Parteien müssen handeln

Platin, Steinkohle und Neodym sind nur einige Negativbeispiele von vielen, positive Beispiele aus dem Rohstoffsektor sind hingegen eher rar. Die Bundesregierung könnte im Rahmen ihrer Rohstoff- und Industriepolitik auf bessere Bedingungen der Rohstoffförderung in den Abbauländern drängen, allerdings  konzentriert sie ihre Bemühungen noch immer primär auf die Sicherung des Zugangs deutscher Unternehmen zu  Rohstoffen.

Zwar zeigt sich die Bundesregierung mit der jüngsten Neuauflage des Ressourceneffizienzprogramms ProgRess und Beitrittsbemühungen zur  internationalen Initiative für Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor EITI beim Thema Rohstoffe problembewusst. Auch das Umweltmanagement spielt bei beeinflussten Projekten eine wichtigere Rolle. Eine genauere Betrachtung macht aber deutlich, dass hier nur Maßnahmen verfolgt werden, die das Wirtschaftswachstum auf keinen Fall gefährden. Aktuelle Vorstöße zum Thema Industrie 4.0 oder der geplante Ausbau der Elektromobilität deuten vielmehr an, dass der angestrebte effizientere Einsatz von Rohstoffen am Ende darauf zielt, mehr Produkte und Technologien herzustellen, die eine tatsächliche Einsparung von Rohstoffen unmöglich machen.

Rohstoffverbrauch auf ein global gerechtes Niveau senken, Menschenrechte und Zivilgesellschaft schützen

Um Klimawandel, massive Umweltverschmutzungen, Biodiversitätsverlust und gravierende Menschenrechtsverletzungen durch Rohstoffabbau einzugrenzen, ist eine Reduzierung unseres Rohstoffverbrauchs aber unumgänglich. Der NABU tritt deshalb gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen im AK Rohstoffe für eine Abkehr der bisherigen verfolgten Wirtschafts- und Rohstoffpolitik der Bundesrepublik ein. Dazu muss die Bundesregierung dafür Sorge tragen, dass künftig absolut weniger Rohstoffe verbraucht werden und beim Abbau dieser Menschenrechte eingehalten und die  Zivilgesellschaft geschützt und gestärkt wird. Wie das gelingen kann lesen Sie im Positionspapier des AK Rohstoffe.

Autorin:

Sibille Heine – Trainee Ressourcenpolitik beim NABU

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